Interview mit Wiener Unart

Interview mit Wiener Unart

Mode und Kunst meinen viele, gehören zusammen wie Salz und Pfeffer, das eine kommt ohne das andere nicht wirklich aus. Die Damen von „Wiener Unart“ haben sich wohl etwas ähnliches gedacht als sie 2012 eine Druckwerkstatt mit eigenem Modelabel gründeten und es sich seit diesem Jahr zur Aufgabe gemacht haben Mode mit der Wiener urbanen Kunstszene zu verbinden. Im Interview erzählt Katharina Blum von ihrer Leidenschaft zu Kunst und warum gerade Wien der perfekte Ort zur Umsetzung ihre Idee war.

Worum geht es überhaupt bei „Wiener Unart“?

Ziel der “Wiener Unart” ist es, das einzigartige kreative Potential der Stadt Wien und ihrer Bevölkerung einer breiten Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Um die Wiener Alltagskultur wieder stärker in den öffentlichen Raum zu bringen, soll diese „tragbar“ gemacht werden. Designs aus der urbanen kreativen Szene Wiens werden deshalb von uns auf alltäglichen Kleidungsstücken verewigt. Die Träger der „unartigen“ Mode erwecken auf diese Weise eine dynamische Vernissage Wiener KünstlerInnen im öffentlichen Raum zum Leben.

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Wie seid ihr auf diese ungewöhnliche Idee gekommen?

Die Kunstmetropole Wien bietet ein nahezu grenzenloses Potential für Künstler und Künstlerinnen aus allen Bereichen. Wir wollen das junge, urbane Wien und ihre Menschen sichtbar machen, und mit den traditionellen Vorstellungen der Stadt verbinden. Dabei bieten die zahlreichen Gesichter Wiens unendliche Möglichkeiten der Inspiration. Als Designliebhaberin, vor allem abseits etablierter Labels und populärer Designer, wollte ich jungen Künstlern und Künstlerinnen eine Möglichkeit bieten, Ihre Kunstwerke einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Und was denkst du, ist das besondere an eurer Idee?

Bei „Wiener Unart“ sollen nicht nur urbane KünstlerInnen einen Raum für ihre Werke bekommen, auch Laien erden in den Designprozess eingebunden. Über Zeichnungsspenden, die per Mail kommen oder über Boxen, die wir in verschiedenen Kreativ HotSpots der Wiener Design Szene aufstellen, soll die Stadt sozusagenselbst die Inhalte der jeweiligen Kollektionen liefern.

Meine Vision dahinter ist, dass auch Laien sich anhand der Zeichnungen mit ihrer alltäglichen Umgebung in Wien auseinandersetzen und zum Teil eines urbanen Designerinnenteams werden.

Als stärkstes Unterscheidungsmerkmal punktet „Wiener Unart“ mit der daraus entstehenden besonderen Auswahl der Motive. Inspiriert von der Alltagskultur der Stadt finden sich einzigartige und dennoch stark wiedererkennungsfähige Designs auf unseren Kleidungsstücken. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Sicht der WienerInnen auf ihre Stadt. Dieser Perspektive verschaffen wir mit unseren Kollektionen Sichtbarkeit.

Unser USP liegt aber auch in der besonderen Qualität der produzierten Drucke. Im Prinzip drucken wir mit einem hochwertigen Siebdruckverfahren Kunst auf modische T-Shirts, Kleider oder andere Textilschnitte und Accessoires. Im Vergleich zu anderen Drucktechniken ist das Siebdruckverfahren zwar aufwendiger, aber qualitativ deutlich anspruchsvoller. Ebenso habe ich hohe Qualitätsansprüche an die verwendeten Rohmaterialen hinsichtlich ihrer Erzeugung und Herkunft.

Ein großes Thema beim Gründen ist die Finanzierung. Kannst du uns einmal kurz euer Konzept vorstellen?

Den laufenden Betrieb finanzieren wir zum größten Teil aus den laufenden Umsätzen. Zur Finanzierung der neuen Kollektion, die im Herbst dieses Jahres vorgestellt werden soll, haben wir einen Finanzierungsmix aus Förderungen, einer Crowdfunding Kampagne und Eigenmitteln aus dem laufenden Cashflow gewählt.

Wir beantragen momentan sowohl eine Startup Prämie des AWS, als auch eine Förderung der Wirtschaftsagentur Wien im Rahmen des creative Programms.

Der Rest der notwendigen Mittel soll, wie eben gesagt, zum Teil über eine Crowdfunding Kampagne auf WeMakeIt geraised werden. Sie läuft bereits und hat sogar schon etwa 25% der Fundingschwelle erreicht. Aber weitere Unterstützer sind natürlich immer herzlich willkommen!

Wie verdient ihr Geld mit euren Startup?

Derzeit machen wir einen Großteil unseres Umsatzes mit Auftragsarbeiten. So haben wir zum Beispiel T-Shirts für die NEOS, das Le Meridien , VIERECK, 5/8terl in Ehren, Koenigleopold, Valioso, Kadaverism, Nifti, Julian le Play usw. gedruckt. Ab Herbst wird es dann zweimal jährlich eine mittelgroße Kollektion von Wiener Unart geben. Auf Anfrage produzieren wir aber auch individuelle Einzelstücke, also samples für DesignerInnen, unter anderem mit deren eigenen Motiven.

Die geplanten Kollektionen umfassen in einem ersten Schritt etwa 5000 Stück an Textilwaren. Die Designs werden zumindestens zweimal jährlich gewechselt. Geplant ist eine Frühjahr/Sommer und eine Herbst/Winter Kollektion mit jeweils 10 bis 15 von der Stadt inspirierten Motiven.

Zu Beginn einer jeden neuen Kollektionen wollen wir diese einerseits persönlich in PopUpStores oder auf speziellen Märkten wie den Mondscheinbazar oder dem Fesh Markt, Edelstoff etc. verkaufen. Andererseits werden gezielt Kooperationen mit regionalen und internationalen Online Shops eingegangen, die sich auf junges und kreatives Design abseits des Mainstreams spezialisiert haben.

Wer steht denn genau hinter „Wiener Unart“ bzw. wie habt ihr euch alle gefunden?

Wiener Unart habe ich gemeinsam mit einer ehemaligen Arbeitskollegin, Marta Kodaj gegründet. Sie ist momentan in Karenz, daher bin ich derzeit zum größten Teil alleine verantwortlich für den Betrieb. Aber viele meiner Partner, wie zum Beispiel die Graphikkinder, mit denen ich mir die Werkstatt teile, kenne ich noch vom Studium. Als gelernte Malermeisterin, Restauratorin und Druckgraphikerin/Künstlerin kann ich eine mehr als 15-jährige Erfahrung im Bereich Farben, Design und Kunstdruck vorweisen. Meine besondere Leidenschaft gilt vor allem der jungen Kunst, ihre Vermischung mit der Tradition und der Wiener Alltagskultur. Die schönsten Momente im Siebdruck sind für mich, wenn ich das scheinbar Unmögliche, möglich gemacht habe.

Machst du noch etwas neben dem Projekt?

Nein, das Studium an der Wiener Kunsthochschule habe ich 2007 abgeschlossen, danach habe ich noch drei Jahre Kunsttherapie studiert. Seit 2012 widme ich mich jedoch ausschließlich der Wiener Unart.

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Katharina Blum

Kannst du dich an eine Hürde beim Aufbau von Wiener Unart erinnern, die du so schnell nicht wieder vergessen wirst?

Das Hauptproblem zu Beginn meiner Selbstständigkeit war, dass ich noch keine Werkstatt hatte. Daher musste ich knapp ein Jahr in meiner Wohnung drucken! Jeder, der nur ein bisschen Ahnung von Siebdruck hat kann sich vermutlich ansatzweise vorstellen, wie angenehm das gewesen ist. Ich habe mir also meine gemütliche Einraumwohnung mit einem riesigen Siebdruckkarussell geteilt – selbst das Bad war voller Farben.

Diese Zeit habe ich aber dank meiner Leidenschaft für das Handwerk gemeistert. Nach den ersten erfolgreichen Aufträgen konnte ich mir gemeinsam mit den Graphikkindern eine kleine Werkstatt einrichten.

Habt ihr euch professionelle Hilfe beim Aufbau eures Startup gesucht oder habt ihr einfach draus losgearbeitet?

Ich würde sagen es ist eine Mischung aus professioneller Beratung und privater Unterstützung. Die wertvollste Hilfestellung kommt eindeutig aus dem Feedback unserer Kunden und Kundinnen. Kritik, aber auch Lob helfen dabei, das Angebot der Wiener Unart laufend zu verbessern. Bei dem aktuellem Projekt zur Verwirklichung einer neuen Kollektion unterstützt mich auch meine Lebensgefährtin besonders engagiert.

Besondere Unterstützung bekomme ich auch seitens meiner Graphikerin, Pavlina Delcheva.

Bei der Planung und Umsetzung der Crowdfunding Kampagne sowie bei der Einreichung der geplanten Förderungen habe ich mit Michael Raab, einen Unternehmens- und PR-Berater, eine wertvolle Unterstützung an der Seite.

Du hast erzählt, du hast über ein Jahr mit deinem Siebdruckkarussel zusammengewohnt! Wie würdest du denn momentan deine Work-Life-Balance beschreiben?

Im Großen und Ganzen gelingt das inzwischen soweit ganz gut – auch wenn das nicht immer so war. Oft habe ich Wartezeiten bei Lieferungen, solche Pausen nutze ich gerne und nehme mir auch mal einen Tag frei oder mache gemütliches Homeoffice, um verschiedene administrative Tätigkeiten zu erledigen. So weit es möglich ist, versuche ich die Wochenenden frei zu halten, um mit Hund und Frau ins Grüne zu kommen. Solche Auszeiten sind wichtig, um wieder den Kopf frei zu haben für neue Projekte und Ideen.

Und habt ihr schon konkrete Zukunftspläne für „.Wiener Unart“?

Abgesehen von dem Start der permanenten öffentlichen Ausstellung auf unseren Kleidungsstücken, ist vernetzen das Schönste der Geschichte.

Unter den KünstlerInnen, die Ihre Designs in die neue Kollektion einbringen, befindet sich zum Beispiel auch eine Haubenköchin, die großartige Food-Designs macht. Hier wird es möglicherweise ein gemeinsames Projekt in naher Zukunft geben. Aber auch eine Tätowiererin, MalerInnen, GraphikerInnen, BildhauerInnen, FotografInnen oder MusikerInnen, kurz – Menschen, die sich vermutlich sonst nicht kennenlernen würden, treffen sich auf dem einen oder anderen Weg bei mir in der Werkstatt.

Was daraus entsteht wird sich noch weisen müssen, aber wir haben im nächsten Jahr ein großes Projekt in Planung, das sämtliche Kunstrichtungen in einen Raum bringen und sichtbar machen soll.

Natürlich werde ich aber auch ganz konkret die Produktpalette erweitern und im Zusammenhang damit noch stärker mit urbanen DesignerInnen zusammenarbeiten.

Und unsere letzte Frage darf natürlich nicht fehlen – euer persönlicher Tipp für neue Startups?

Durchhalten! So gut wie möglich Rechnungen bezahlen, aber auch zu wissen, dass man nicht immer alles alleine können muss. Es ist absolut in Ordnung und hilfreich, vor allem rechtzeitig nach Rat und Hilfe zu fragen. Durch das Hinzuziehen von externen Know-How kann man sich viel besser auf sein eigentliches Kerngeschäft konzentrieren.

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Den Link zur Crowdfunding Kampagne von Wiener Unart findet ihr hier – www.wemakeit.com/projects/wiener-unart

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Fotocredits: © Wiener Unart


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