Interview mit Webcrab

(c) webcrab

“Die heutige Jugend ist so faul, die weiß nicht was es bedeutet sich etwas hart zu erarbeiten. Die jungen Leute von heute sind nur auf Freizeit aus und interessieren sich nur für sich selbst.” Diese und ähnliche Sprüche wiederholen sich leider immer wieder, wenn über junge Menschen und ihre Arbeitsmoral gesprochen wird. “Ehrgeiz? Die wissen nicht mal was das bedeutet!”

Das dem nicht so ist, beweist der Boom an Startups in den letzten Jahren! Junge Menschen, die ihre Ideen verwirklichen wollen und keine Kosten und Mühen scheuen um ihren Traum zu verfolgen.

Webcrab ist eines dieser Startups, dessen Gründer Philip Fickl bewiesen hat, dass man mit sehr wenig sehr viel erreichen kann! Noch während der Schulzeit begonnen, leitet er heute ein erfolgreiches Dienstleistungsunternehmen und ist nebenbei auch noch für die Studentenberatung icons tätig.

Webcrab, was für eine Art von Startup kann man sich darunter vorstellen?

Webcrab ist nicht das klassische sexy Startup, das ein einzelnes Produkt vermarktet und verkauft. Webcrab ist eine Dienstleistungsfirma, die sich auf Dienstleistungen im Bereich Web und IT spezialisiert hat und deren Team sich aus relativ jungen Leuten zusammensetzt.

Und wie ist die Idee zu webcrab entstanden?

Das war eigentlich schon während meiner Schulzeit. Ich habe während der HTL für einen Bekannten eine Website gebaut. Die ist so gut angekommen, dass ich weitere Aufträgen erhalten habe, die jedoch alle über die Firma des Bekannten abgewickelt wurden. Nachdem ich schob vier bis fünf Kunden hatte, wurde es relativ mühsam das ganze ordentlich abzurechnen und aus diesem Grund habe ich mich direkt nach der Matura selbstständig gemacht. Ich habe meine vorhandenen Kunden mitgenommen und nach dem Zivildienst bin ich dann so richtig durchgestartet und habe begonnen weitere Kunden zu generieren.

Gleich nach der Schule selbstständig, war das schon immer dein Plan?

„Schon immer“ würde ich nicht sagen. Ich hatte zwar immer einen Drang zur Unabhängigkeit, aber an Selbstständigkeit habe ich, ehrlich gesagt, nie dabei gedacht. Auf die Idee der Selbstständigkeit hat mich mein Vater gebracht, als er gemeint hat, ob es nicht sinnvoller und einfacher wäre als Einzelunternehmer das Ganze anzugehen.

Gab es denn in der Anfangsphase irgendwelche gravierenden Probleme, die dir in Erinnerung geblieben sind?

Hauptsächlich Know-how Probleme. Das Schwierigste ist einmal herauszufinden, was du alles machen musst, wenn du ein Startup gründen willst. Da gibt’s die SVA (Sozialversicherungsanstalt), die will etwas von dir wissen. Es gibt das Handelsgericht, das will etwas von dir wissen. Und es gibt natürlich das Finanzamt. Das will eine ganze Menge von dir wissen! Das Finanzamt will schon am Tag 1 wissen wie viel Umsatz und Gewinn du dieses Jahr machen wirst und wie viel Umsatz und Gewinn du nächstes Jahr machen wirst.
Kompliziert war dann natürlich auch die Beantwortung der Fragen, muss ich Umsatzsteuer zahlen, muss ich Sozialversicherung zahlen, kann ich mich von der Sozialversicherung herausnehmen lassen oder bin ich noch bei meinen Eltern mitversichert? Da muss ich anmerken, dass die WKO diesbezüglich recht gute Ressourcen hat. Es gibt zum Beispiel das Buch für Selbstständige. Das ist eine Hilfestellung für den Anfang, die einem versucht zu erläutern, was gemacht werden muss, was nicht gemacht werden darf und was auf jeden Fall gemacht werden sollte.

Ein wichtiger Tipp ist sich das Team gut auszusuchen. Klingt hart, aber die besten Freunde sind meistens nicht die besten Co-Founder.

Ich nehme an, das heißt, du hattest keine professionelle Hilfe?

Nein, lange Zeit nicht. Ich hatte meine Kunden, die hauptsächlich Geschäftsführer waren und mir am Anfang ein wenig Hilfe und Beratung gegeben haben. Aber professionelle Hilfe per se habe ich eigentlich erst seit letztem Jahr. Einer meiner ältesten Geschäftspartner und mittlerweile auch ein sehr guter Freund wurde quasi zu meinem Mentor, da er sehr stark meine Entwicklung gefördert hat. Wenn ich etwas empfehlen kann, dann ist es sich einen Mentor zu suchen, der Verbindungen hat, der Know-how hat und dich pushen kann.

Und wie hat dein Finanzierungsplan für den Anfang ausgesehen?

Das ist eine relativ einfache Frage. Nachdem ich direkt nach der Schule beziehungsweise schon während der Schule begonnen habe, habe ich natürlich noch zu Hause gewohnt und noch keine Ausgaben für Miete und Stromkosten gehabt. Meine einzigen Utensilien, die ich für meine Arbeit gebraucht habe, waren mein Computer und mein Handy. Dementsprechend waren die Kosten nicht so hoch. Jede Stunde, die ich gearbeitet habe ging de facto in die eigene Tasche. Das war natürlich sehr angenehm. Bei Produkt-Startups, die ein eigenes Produkt haben, die eine Entwicklungszeit haben und die schon am Anfang Ressourcen investieren müssen, ist es natürlich schwieriger. Durch das hohe Investment am Anfang, haben sie dafür aber auch bessere Chancen zu wachsen.
Hingegen ist meiner Meinung nach ein Dienstleistung-Startup besser planbar, da du beim Produkt-Startup gar nicht so genau weißt, wie die Marktakzeptanz dann aussieht. Vielleicht schlägt das Produkt dann gar nicht so ein wie gedacht. Beim Dienstleistungs-Startup hast du halt deine Dienstleistung, die entweder gebraucht wird oder nicht.

Hast du schon konkrete Zukunftspläne für webcrab?

Meine Zukunftspläne ändern sich alle zwei Monate durch die aktuellen Begebenheiten. Beispielsweise sah mein Plan vor zwei Jahren so aus, dass ich Webcrab nur nebenbei mache, studiere und dann in eine komplett andere Richtung gehe. Ich habe mir halt gedacht, dass ich nicht mein ganzes Leben lang Websites machen möchte. Jetzt schaut mein Plan allerdings ganz anders aus. Ich bin draufgekommen, dass ich nicht mein ganzes Leben lang Websites programmieren muss, um eine Firma zu führen, die Websites programmiert. Sprich, mein Ziel für die nahe Zukunft ist eine kleine Webagentur aufzumachen, die für sich selbst überlebensfähig ist. Angestrebt ist eine Mitarbeiteranzahl von 8-10 Leuten und einem Management, das nicht nur aus mir besteht. Dadurch sollen mir Aufgaben, wie die Projektleitung, abgenommen werden.

Das klingt ja schon mal nach einem konkreten Ziel, wir wünschen viel Glück beim Erreichen!

Letzte Frage noch, welche Tipps würdest du Jungunternehmern mit auf den Weg gegeben, die du vielleicht selbst gern bekommen hättest?

Das ist immer eine schwierige Frage, da es eine Menge gibt. Grundsätzlich würde ich mal sagen, wenn ihr echt das Gefühlt habt, dass ihr eine gute Idee habt, traut euch aber seid nicht zu vorschnell. Der Markt gehört vorab immer analysiert. Vielleicht macht diese Idee schon jemand anderer besser oder vielleicht gibt es gar keinen UPS (Unique Selling Point) für deine Idee. Planen und ein gutes Konzept ausarbeiten ist daher das A und O. Weil einfach sich reinzustürzen und bei der Mitte draufkommen, dass die Idee jemand anderer schon besser macht und für die Idee eigentlich kein Markt da ist, ist Zeitverschwendung.
Außerdem würde ich jedem raten sich einen Mentor zu suchen. Es gibt zum Beispiel diverse Organisationen wie Manageers, die ein ganz starkes Mentorenprogramm anbieten. Jedes Startup kann sich für das Mentorenprogramm bewerben, sich präsentieren und hat dann am Ende die Chance einen Mentor zu bekommen. Noch ein wichtiger Tipp ist sich das Team gut auszusuchen. Klingt hart, aber die besten Freunde sind meistens nicht die besten Co-Founder. Das Team ist oft, sage ich einmal, einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren eines Startups. Wenn das Team nicht passt, versagt das Startup. Wenn die Idee nicht passt, versagt das Startup. Wenn die Zeit nicht passt, versagt das Startup. Es hat absolut keinen Sinn ein Startup zu gründen, wenn man sich für das Startup keine Zeit nehmen kann beziehungsweise nicht genügend Zeit in sein Startup investiert.

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