Startup Hotspots: Tirol holt auf

VLNR.: HARALD GOHM (STANDORTAGENTUR TIROL), MORITZ WILLBURGER (BLUE SPARROW), LRIN PATRIZIA ZOLLER-FRISCHAUF (TIROLER LANDESREGIERUNG), HARALD OBERRAUCH (TYROLEAN BUSINESS ANGEL GMBH) UND MARC STICKDORN (EXPERIENCE FELLOW) (C) STANDORTAGENTUR TIROL

Abseits gehypter Startup-Standorte wie London oder Berlin hat sich im österreichischen Bundesland Tirol eine aktive Startup-Szene entwickelt. Dafür sprechen steigende Gründungszahlen (2.694 Gründungen jährlich bei einem Plus von 12 Prozent), ein starker IT-Sektor (50%) bei den universitären Ausgründungen, der rasante Zulauf in das im Vorjahr eröffnete Gründerzentrum Werkstätte Wattens, das neben Co-Working Space und Team-Offices auch Produktionsbereiche und Fablab zur Verfügung stellt, laufend frische Ideen wie das COWO Tirol, das auf dem Innsbrucker Hausberg Patscherkofel bis zum 23. Oktober 30 Coworking-Arbeitsplätze mit Top-Internetzugang auf 1.963 Meter Seehöhe bietet sowie zunehmend private Kapitalgeber (z.B. I.E.C.T. Hermann Hauser oder Tyrolean Business Angel GmbH), die kräftig in Tiroler Startups investieren. Wiener Fonds und Investoren können den Markt beim heutigen Startup Lunch der Standortagentur Tirol unter die Lupe nehmen. Beim Meet & Greet in Wien präsentieren sich mit Blue Sparrow und Experience Fellow zwei Tiroler Startups aus Robotik und IT. Ins Gespräch kommen die Gäste weiter mit Tiroler Kapitalpartnern für Netzwerk-Investments und treibenden Kräften aus dem Tiroler Accelerator-Sektor.

Sieben Finanzierungsrunden mittlerer Größe seit Jahresstart

Immer mehr Tiroler Startups erhalten frisches Kapital. Das vom Land Tirol vor vier Jahren ins Leben gerufene Investorennetzwerk Tirol etwa konnte bis dato rund 10 Millionen Euro an privatem Beteiligungskapital vermitteln. Heuer gibt es in Tirol seit Jahresstart zudem bereits sieben Finanzierungsrunden mittlerer Größe im Wert von insgesamt 7,1 Millionen Euro. Zu diesen zählen unter anderem die Beteiligung der Tyrolean Business Angel GmbH am Medizintechnik-Startup HeaRT, die Beteiligung des aws Gründerfonds in Kooperation mit Situlus Holding am Funktechnologieanbieter endiio oder das Joint Venture zwischen der Tiroler iSYS Interventional Systems und dem US-Medtech-Konzern Medtronic.

Topaktuell sorgt auch eine Kooperation der Tiroler Vira Therapeutics mit Böhringer Ingelheim für Aufmerksamkeit – diese birgt ein potenzielles Transaktionsvolumen von 210 Millionen Euro und schließt an eine Finanzierungsrunde aus 2015 an, die EMBL Ventures, der Böhringer Ingelheim Venture Fund und die Empl Foundation gemeinsam mit der aws Venture Capital-Initiative mit 5,5 Millionen Euro bestreiten. „Die kräftigen Investitionen des privaten Sektors belegen, dass Tirols Jungunternehmen für Investoren so attraktiv wie nie zuvor sind und die Szene auf einer breiten Basis steht“, berichtet die Tiroler Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf. „Im internationalen Vergleich müssen Tirol und Österreich gerade beim Risikokapital dennoch massiv aufschließen. Das gelingt aus meiner Sicht nur in enger Zusammenarbeit. Investieren die vorwiegend in Wien ansässigen Startup-Fonds verstärkt auch in Tirol, können beeindruckende Erfolgsgeschichten entstehen, die den wichtigen Boom weiter vorantreiben und internationale Kapitalgeber rascher auf die Dynamik im Gründerland Österreich aufmerksam machen“, motiviert Zoller-Frischauf.

Tiroler Startups setzen auf Wissen und arbeiten international

„Die Nähe zu Innovationen und Top-Mitarbeitern ist einer der zentralen Faktoren, anhand derer sich vor allem Technologiegründungen für den Standort Tirol entscheiden“, berichtet Standortagentur Tirol-Geschäftsführer Harald Gohm in Wien. Und die Tiroler Startups nützen das gebotene Know-how konsequent: 80 Prozent der universitären Spin-offs führen weiterhin gemeinsame Forschungsprojekte mit den Universitäten und Fachhochschulen durch. Nach Fachbereichen sind die betreffenden Startups in den Zukunftsbranchen Elektronik, IT und Software (50%), Life Sciences und Medizintechnik (21%), Werkstoffe und industrielle Verfahren bzw. Ingenieurswesen (je 10%) sowie Umwelt-, Energie- und Verkehrstechnologie (8%) tätig. Gohm betont weitere Vorteile für Investoren: „Tiroler JungunternehmerInnen sind auch dank der Lebens- und Freizeitqualität am Standort hoch motiviert und im Österreichvergleich am stärksten international orientiert. Über das Investorennetzwerk Tirol und das Public-Private-Partnership Startup.Tirol sind sie zudem bestens auf Risikokapitalbeteiligungen vorbereitet.“

Blue Sparrow: Fliegende Actioncam auf dem Weg zum Markt

Die Hereinnahme eines Investors kommt für das Start-up Blue Sparrow für die Entwicklung und Programmierung seiner fliegenden HD-Actioncam bis zur Markt- und Serienreife in Frage. Der Blue Sparrow oder „blauer Spatz“ ist ein Quadcopter, der mit einem Gewicht von unter 200 Gramm zulassungsfrei geflogen werden kann, mit einer patentieren Point-and-Fly-Steuerung vom Smartphone aus bedient wird und Filme von besonderen Momenten im Leben seiner User in Selfie-Manier liefert. Das Unternehmen wurde 2014 von Michael Niedermayr und Moritz Willburger gegründet, beschäftigt ein internationales Team von 14 Mitarbeitern aus Physik, Elektrotechnik, Maschinenbau, Industriedesign, Sozialwirtschaft sowie Betriebs- und Volkswirtschaft und will den Blue Sparrow bis 2017 auf den Markt bringen. „Unser Kapitalbedarf liegt bei 750.000 Euro bis zum Markteintritt“, berichtet Moritz Willburger von Blue Sparrow vor Ort in Wien. Neben der Point-and-Fly-Steuerung und einem ausgetüftelten Klappmechanismus orten die Gründer das Root-Development (alle Komponenten werden hauseigen entwickelt) am Standort Innsbruck als wichtiges Alleinstellungsmerkmal. „Mit einer von uns selbst entwickelten, modularen Flight Control-Software namens Merlin heben wir uns zusätzlich von Mitbewerbern ab“, so Willburger vor den Investoren.

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Moritz Willburger (c) Standortagentur Tirol

Experience Fellow: Schuhe der Kunden locken internationalen Investor

Bei bereits 17 Mitarbeitern hält nach nur drei Jahren seit Gründung die Innsbrucker ExperienceFellow GmbH. Der Großteil der Kunden ist in Nord- und Westeuropa bzw. in Nordamerika und Asien lokalisiert, aus dem DACH-Raum kommen nur etwa 10 Prozent der Kunden. ExperienceFellow hat – basierend auf Forschungsleistungen am MCI Management Center Innsbruck – eine App zur Bewertung von Marken, Produkten und Dienstleistungen durch Kunden von Unternehmen entwickelt. Neu dabei ist, dass Kunden ihr eigenes Smartphone benutzen können und mit Hilfe der App immer und überall ihre Meinung abgeben können. Das Unternehmen kann die Bewertungen jederzeit live mitverfolgen und über ein Softwareprogramm auswerten, es schlüpft in die Schuhe seiner Kunden. „Nach einer Beteiligung des Innsbrucker Branchenprofis und Tech-VCs mohemian ventures sowie einer Seed-Förderung der aws Austria Wirtschaftsservice im letzten Jahr finalisieren wir zum Zeitpunkt die Risikokapitalbeteiligung eines internationalen Investors“, berichtet ExperienceFellow-CEO Marc Stickdorn. „Am Standort Tirol profitieren wir neben der Nähe zur Wissenschaft immer wieder von den kurzen Wegen. So haben uns diese einen raschen Zugang zu Schlüsselpartnern, Fördergebern wie dem AplusB-Zentrum CAST und aws beziehungsweise Finanziers ermöglicht. Assets, die wir als Start-up keinesfalls missen wollen, sind zudem die hohe Lebensqualität und die Freizeitmöglichkeiten im Land. Hochqualifizierte Mitarbeiter, die wir auch aus Europa, Weißrussland und den USA gewinnen, sehen darin eine USP und entscheiden sich auch mit ihrer Hilfe für unser Team.“

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Marc Stickdorn (c) Standortagentur Tirol
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