Interview mit Sharbit

(c) Sharbit

Startups gibt es auf der ganzen Welt, wir aber wollen österreichische Startups vor den Vorhang auf die Bühne bieten. Nachdem wir aber finden, dass auch Landsleute, die im Ausland ihr Glück versuchen, auf jeden Fall auf startablish.at sich präsentieren können, wollen wir euch heute Sharbit vorstellen.

Der Trend zur Nachhaltigkeit betrifft nicht nur unseren Umgang mit Lebensmittel, Gewand oder unsere Umwelt. In immer mehr Bereichen unseres Lebens wollen wir mit guten Gewissen vorangehen. Ben, der ursprünglich aus Österreich kommt und zurzeit in London lebt, ist mit seinem Startup auf diesen Trend aufgesprungen. Die Sachen, die man zuhause hat von völlig Fremden benützen lassen? Warum nicht, man teilt seine Ressourcen, anstatt sie nur im Kasten zu verstecken. Das ist zumindest der Grundgedanke von Sharbit.

Kannst du uns mal kurz erklären, um was es sich bei Sharbit eigentlich handelt?

Eigentlich ist unser Konzept sehr simpel. Denkt mal an eure Wohnung, ihr habt sicher irgendwo etwas zuhause herumliegen, das ihr unbedingt haben musstet und jetzt, nachdem ihr es zweimal benutzt habt, liegt es einfach nur mehr unbenützt herum. Mit Sharbit wollen wir verhindern, dass Dinge nur nutzlos Staub ansetzen und diesen Gegenständen wieder einen Sinn und Zweck geben. Auf unserer Plattform könnt ihr euer Zeug an Menschen in eurer Umgebung ausleihen, so können diese Leute es nutzen ohne selbst gleich Unmengen an Geld ausgeben zu müssen. Unser Motto lautet: Got something you don’t use? Rent it out!
Need something just for a while? Rent it!

Feine Sache und sehr nachhaltig! Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

Ich mag es neue Dinge auszuprobieren, kaufe sie mir dann und stelle aber nach ein paar Wochen fest, dass ich eigentlich doch gar nicht so interessiert bin oder einfach nicht die Zeit dafür habe. Das heißt ich kaufe teure Staubfänger.
In den meisten Fällen komme ich überhaupt erst gar nicht dazu neue Sachen zu erproben einfach weil ich keine £100 ausgeben möchte für etwas das ich höchstwahrscheinlich eh bald wieder aufgebe. Trotzdem ist es schade, wenn man drauf verzichten muss.
Mein bestes Beispiel ist meine Gitarre, die ich mir gekauft habe und die ich auch gar nicht wieder verkaufen kann, weil ich es sicher noch vernünftig lernen werde! Nur nicht heute.

Was würdest du sagen macht euch so einzigartig?

Also die zwei wichtigsten Punkte, die uns einfach von ähnlichen Konzepten unterscheiden sind: Du vermietest deine Sachen, die zuhause nutzlos herumliegen, und kannst dabei auch noch Geld verdienen. Das ist doch super!
Und der zweite Punkt ist, wir haben eine wirklich userfreundliche App, die simpel zu bedienen ist und es läuft nicht alles nur über unsere Homepage.

Wie habt ihr euch finanziert? Habt ihr da Unterstützung oder Förderungen bekommen?

Wir sind soweit komplett selbst finanziert. Dadurch dass wir die App komplett selbst entwickeln konnten, haben wir einfach schon mal einen finanziellen Vorteil gehabt.

Und wie macht ihr Gewinn?

Wir verdienen nur dann etwas, wenn du etwas verdienst! Wenn du etwas vermietest hast, bekommen wir einen Teil des Erlöses, alles andere ist aber komplett frei.

Gibt es da Probleme oder Hürden, die dir besonders im Gedächtnis geblieben sind oder hattet ihr Glück und es ist alles wie am Schnürchen gelaufen?

Es gibt natürlich immer Probleme, aber ganz ehrlich, wäre es anders wäre es ja auch langweilig. Ich denke, das größte Problem bisher ist es, dass Nutzer nach etwas bestimmten suchen, es aber nicht auf unserer Plattform finden können. Wie bei jedem Startup, das auf eine gewisse Community angewiesen ist, müssen auch wir uns erst bei unseren Usern etablieren. Unsere Nutzerbasis und somit unser Angebot ist noch relativ klein, aber das wird schon! Um dem entgegen zu steuern, haben wir beschlossen, dass wir uns für den Anfang einerseits geographisch beschränken, da die App im Moment nur in London verfügbar ist. Und andererseits haben wir das Angebot beschränkt, denn zurzeit konzentrieren wir uns nur auf Küchengeräte, fördern also gezielt Dinge wie Brotmaschinen und Waffelmacher und so weiter. Das heißt, wenn ihr in London seid und mal etwas Neues in der Küche ausprobieren wollt für das ihr ein spezielles Gerät benötigt, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass ihr auf Sharbit fündig werdet.

Hattet ihr eigentlich professionelle Hilfe beim Gründen?

Gerade in London ist die Startup-Szene super hilfreich. Man bekommt zu allen Bereichen Hilfestellung und Feedback. Davon abgesehen versuchen wir aber alles selbst zu machen, die Ausnahme ist alles rund um “Legalitäten”. Wir haben uns Hilfe von einem Anwalt geholt, der uns in Rechtsfragen berät und z.b. auch die Terms & Conditions geschrieben hat. Bei sowas braucht man einfach einen Profi, wenn man von Anfang an professionell unterwegs sein möchte.

Ihr seid ein gemischtes Doppel, kennt ihr euch schon länger oder erst seitdem es Sharbit gibt?

Laura und ich kannten uns schon vor Sharbit, wir haben viel gemeinsam. Aus diesem Grund können wir uns sicher auch beide so gut mit unserer Idee identifizieren und ergänzen uns einfach super mit unseren unterschiedlichen Skills.

Und was macht ihr nebenbei so?

Ich habe nebenbei noch verschiedene Projekte am Laufen, aber Laura konzentriert sich wirklich zu 100% auf Sharbit.

Das heißt Sharbit beansprucht einen großen Teil eurer Zeit? Wie schaut es da bei euch mit Freizeit und Privatleben aus?

Ehrlich gesagt kann man diese Trennung eigentlich gar nicht so klar machen, es fließt alles ein wenig ineinander. Laura und ich sind uns aber einig, dass es wichtig ist auch mal Abstand zu nehmen. Die selbstzerstörerische Kultur, die in vielen Startups herrscht, möchten wir ehrlich gesagt nicht dauerhaft leben. Es ist aber auch klar, dass ein normaler 9to5 Job sicher etwas entspannter ist, denn wenn man etwas Eigenes gründet, macht man sich automatisch immer Gedanken über die nächsten Schritte.

Und wie sehen die nächsten Schritte aus?

Schwer zu sagen. Der grundlegende Plan ist aber, unser Konzept zumindest in London zu beweisen und je nach Bedürfnissen anzupassen um dann Sharbit in anderen Städten zu etablieren.

Dann viel Erfolg, und welche Tipps würdest du, aus deiner Erfahrung sprechend, einem neuen Startups mitgeben?

Eigentlich hätte ich nur einen: Nur weil Leute sagen sie lieben deine Idee, bedeutet das noch lange nicht sie würden es auch benützen. Behaltet das im Hinterkopf!

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