Interview mit Runtastic

(c) Runtastic

Wir drei von startablish.at sind vielleicht nicht die Sportskanonen, die jeden Morgen vor dem Frühstück schon ihre 10 km gelaufen sind, aber wenn wir unsere Sportsachen schon raussuchen, dann motiviert es unglaublich auch den eigenen Erfolg am Handy mitverfolgen zu können.

Runtastic ist eines der österreichischen Startups von denen man wirklich sagen kann, hey, die haben es geschafft. Mehr als 130 Millionen Downloads und über 60 Millionen registrierte User sprechen für den Erfolg von Runtastic. Florian Gschwandtner hat Runtastic 2009 gemeinsam mit drei Freunden mit Sitz in Pasching gegründet. Heute spricht er mit startablish.at über die Entstehungsgeschichte und verrät seine Tipps für Startups.

Was ist eigentlich „Runtastic“?

Bekannt sind wir vor allem für unsere Lauf- & Fitness-App. Mittlerweile sind wir mit mehr als 130 Millionen Downloads und über 60 Millionen registrierten Benutzern auf Runtastic.com international erfolgreich und bieten neben einer breiten Palette an Apps aus dem Health- & Fitnessbereich auch verschiedene Hardware-Produkte und Online-Services an. Brustgurt, intelligente Waage oder Aktivitätstracker unterstützen die Runtastic Apps zusätzlich beim Aufzeichnen von Gesundheits- und Fitnessdaten. So wissen unsere User, wie viel sie sich täglich bewegen oder welche Strecke sie beim letzten Lauf hinter sich gelegt haben. Online erwartet die Nutzer außerdem eine Vielfalt an hilfreichen Tipps und Tricks oder Trainingsplänen, die total motivierend sind. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, den Menschen die Freude an Bewegung näher zu bringen und sie für einen gesunden und fitten Lebensstil zu begeistern.

Und wie seid ihr überhaupt auf die Idee von Runtastic gekommen?

Die Idee entstand am Campus Hagenberg, als meine beiden Gründerkollegen an einem Studienprojekt arbeiteten. Dabei ging es darum, die Strecke, die Boote am Neusiedlersee zurücklegten, via GPS aufzuzeichnen. Daraus entstand dann auch die Idee, eine App für Hobbyläufer zu entwickeln, damit man weiß, wie weit, schnell und wo man gelaufen ist. Nach und nach haben wir aber ein komplettes Ecosystem aufgebaut, mit dem wir unseren Usern Tag und Nacht zur Seite stehen wollen.

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War es denn schon immer ein Traum von dir selbstständig zu werden?

Ja, selbstständig zu sein, das hatte ich schon immer im Hinterkopf. Ich habe also daran gearbeitet, unsere Idee zu verwirklichen und eine eigene Firma zu gründen. Damals waren Familie und Freunde noch nicht so wirklich davon überzeugt, wir haben es dennoch versucht und waren damit erfolgreich.

Wie ist denn euer Team zusammengekommen? Habt ihr euch schon davor

gekannt oder über Blackboards gefunden?

Ja, wir vier Gründer haben einander schon davor durch das Studium gekannt.

Das Leben vor der Idee zu eurem Startup, was habt ihr da gemacht?

Die Idee hatten wir im Prinzip schon während dem Studium. Ich habe an der FH Hagenberg Mobile Computing studiert und einen weiteren Master an der FH Steyr in Supply Chain Management gemacht. Zwei der anderen drei Gründer haben etwas Technisches studiert und einer hat eher wirtschaftliches Know-How. Danach habe ich noch einige Monate in einem Unternehmen gearbeitet, bevor wir mit unserer Idee voll durchgestartet sind.

Auf welche Probleme seid ihr beim Gründen bzw. in der Anfangsphase gestoßen?

Zu Beginn hatten wir mit vielen skeptischen Meinungen und Wortmeldungen zu tun. Viele waren der Meinung, dass unsere Idee ohnehin nicht funktionieren würde, dass es sich um ein Gadget handelt, aber nicht um ein richtiges Unternehmen. Wir haben unter anderem auch zu hören bekommen, dass wir mit 4 Gründern keine Firma erfolgreich führen können. Das alles wegzustecken war zugegeben nicht immer einfach. Gemeistert haben wir diese Phase indem wir an unserer Idee festgehalten und mit einer gewissen Sturheit das Projekt vorangetrieben haben. Und dieser Weg war schlussendlich auch der Richtige. Obwohl alles sehr gut gelaufen ist, haben wir bemerkt, dass mit schnellem Wachstum auch immer wieder neue Herausforderungen entstehen, die es zu meistern gilt.

Flo HeadshotUnd wie hat es mit der Finanzierung ausgesehen?

Finanzierung ist ein wichtiges Thema. Zu Beginn haben wir Businessanwendungen für Dritte entwickelt und nebenbei an unserer eigenen Idee gearbeitet. Wir haben es ohne Fremdkapital geschafft.

Am Anfang kommt ja immer sehr viel auf einen zu, von dem man bisher vielleicht keine Ahnung hatte, habt ihr euch professionelle Hilfe von Dritten gesucht?

Ganz zu Beginn waren wir auf uns alleine gestellt, wir haben zusammengehalten und es ohne die Hilfe von Dritten geschafft.

Wie lange hat es letztlich gedauert bis ihr kostendeckend wirtschaften

konntet?

Nach 18 Monaten, also gegen Anfang 2011, standen wir als Unternehmen bereits auf eigenen Füßen.

Die Work-Life-Balance ist ja gerade beim Gründen eines neuen Unternehmens ziemlich unausgeglichen, wie hat das bei dir ausgesehen? Musstest du auf sehr viel verzichten?

An die Phase der Firmengründung erinnere ich mich noch ganz gut, es war eine sehr intensive Zeit. Wir haben quasi rund-um-die-Uhr gearbeitet, tagsüber im Job oder das jeweilige Studium abgeschlossen und bei nächtlichen Treffen haben wir das Konzept dann finalisiert. Auch jetzt gibt es noch genügend zu tun. Obwohl die Firma bereits fest verankert und sehr bekannt ist, gibt es im Bezug auf die Work-Life-Balance Vor- und Nachteile. Durch die Bekanntheit der Firma haben die Menschen auch hohe Erwartungen was unseren Output betrifft. Gleichzeitig ergeben sich vielfältige Möglichkeiten für Kooperationen, ich bin oft bei unterschiedlichen Events eingeladen und es gibt immer wieder Neues. Im Endeffekt geht es immer darum, eine gute Balance zu finden, aber das ist wiederum die Challenge des Lebens.

Wenn man Erfolg haben möchte, dann muss man hin und wieder auch etwas naiv sein und nicht zuerst auf alle anderen hören.

Wie schaut es mit eurem Business Model aus, was hat sich da verändert?

Am Anfang setzten wir vor allem auf den Verkauf der PRO-Versionen unserer Apps. Mittlerweile haben wir auch unsere Premium-Mitgliedschaft (vorher GOLD-Mitgliedschaft), bei der wir unseren Usern zusätzliche Vorteile anbieten  und verkaufen auch Hardware-Produkte. Dadurch sind wir von den App Sales unabhängiger. Manche Veränderungen in Bezug auf Business Models ergeben sich in unserem Bereich allgemein. Firmen konzentrieren sich immer weniger auf one-time-purchases wie Apps, sondern gehen immer mehr in Richtung Abonnements. Daraus ergeben sich sowohl für das Unternehmen als auch für unsere User Vorteile, da wir ihnen immer wieder etwas Neues anbieten können.

Wie schaut eurer Meinung nach die Zukunft von „Runtastic“ aus?

Die Industrie ist unglaublich dynamisch und auch noch so jung, dass man nicht vorhersagen kann, was in fünf Jahren passieren wird. Wir haben gerade unser fünfjähriges Bestehen gefeiert, wer hätte damals gedacht, dass wir jetzt schon über 120 Millionen Downloads haben? Wir werden aber auch in Zukunft versuchen, erfolgreich zu sein, na klar! Dabei konzentrieren wir uns auf die Qualität unserer Produkte. Wir wollen immer intelligenter arbeiten und möchten weltweit die Besten sein. Neue Ideen entstehen bei uns zum Beispiel oft an einem „DONI”, unserem „Day of new ideas”. Jeder Mitarbeiter kann an diesem Tag – ein Mal im Monat – an eigenen Ideen arbeiten. Dabei entstehen unglaublich tolle Projekte.

Wenn du so zurückdenkst, würdest du etwas anders machen? Und dann natürlich die wichtigste Frage, welchen Tipp würdest du neuen Startups mitgeben?

Meiner Meinung nach ist das Gründerteam ein wesentliches Element für ein erfolgreiches Start-up. Was man aber auch unbedingt braucht, ist Durchhaltevermögen. Nicht immer klappt alles auf Anhieb und da braucht man manchmal eine große Portion Geduld. Wenn man Erfolg haben möchte, dann muss man hin und wieder auch etwas naiv sein und nicht zuerst auf alle anderen hören. Wenn du ein gutes Gefühl dabei hast, dann mach es einfach. Mir gefällt in diesem Zusammenhang immer wieder dieses Zitat: Alle sagten: „Das geht nicht.” Dann kam einer, der wusste das nicht, und hat es gemacht.