Interview mit physiobox

(c) physiobox

Stellt euch vor ihr seid beim Physiotherapeuten, er erklärt euch was ihr zutun habt und kaum seid ihr draußen ist alles wie weggeblasen. Müssen wir die Übung zweimal oder dreimal wiederholen? Und was genau bedeutet das Gekritzel auf dem Zettel eigentlich? Ich bin sicher nicht die Einzige hier, der das schon mal passiert ist!

Das Team von physiobox schafft mit einer einfachen Software – Lösung für Arzt und Patienten Abhilfe. Matthias Perko, selbst Physiotherapeut, erklärt im Interview, was das Besondere an physiobox ist und warum es seine Arbeit immens erleichtert.

Was genau ist physiobox eigentlich?

Die physiobox ist eine Tablet-Software, die wir speziell für Physiotherapeuten entwickelt haben. Wir bieten mit ihr eine benutzerfreundliche, einfache Patientenverwaltung und eine schnelle, mobile Dokumentation der Daten. Die Patienten profitieren durch die einfache Übermittlung von Übungen, die sie daheim besser nachvollziehen können. Unser Ziel ist es durch proaktive Mitarbeit der Patienten die Qualität der Therapie zu erhöhen und so zu einem rascheren Erfolg zu führen.

Und wie bist du auf die Idee gekommen?

Ich bin selbst Physiotherapeut und wollte unbedingt eine Software haben, mit der ich die, für uns Physios, gesetzlich verpflichtende Dokumentation der Therapieeinheiten machen kann. Heutzutage gibt es für fast alles eine digitale Lösung, nur wir Physiotherapeuten machen unsere Doku immer noch mit Papier und Bleistift wie im vorigen Jahrtausend. Das war einfach unbefriedigend und unter den vorhandenen Programmen war keines dabei, mit dem ich wirklich arbeiten wollte. Immer gab es einen Haken.

Ich habe dann meine alten Freunde Johannes und Christian angerufen, die beide schon viel Programmier- und Designarbeit gemeinsam gemacht haben und habe sie gefragt, ob sie mir nicht ein wirklich praktisches Programm schreiben können. Da –ganz offensichtlich– eine Marktlücke für ein derartiges Produkt bestand, haben sie die Idee aufgegriffen und um mehrere extrem praktische Funktionen erweitert. Ich arbeite seit Monaten mit der physiobox und kann ehrlich sagen: Kein Vergleich zu vorher!

Warum glaubst du, ist euer Produkt besser als andere?

Es gibt Programme, die entweder das eine oder das andere können. Manche Programme, die eigentlich sehr viele Funktionen haben, sind wiederum von der Bedienung her eine Katastrophe. Ich spreche aus Erfahrung, ich hab sie ja getestet.

Die physiobox verbindet im Wesentlichen die drei wichtigsten Hauptfunktionen: Datenaufnahme und Erstbefund, Dokumentation und Analyse und Übungs-Übermittlung für den besseren Erfolg zu Hause. Und das Beste, das Ganze ist vereint in einer sehr einfach zu bedienenden und mobilen, weil Tablet-gestützten, Software. Das heißt, wenn ich zu einem Kunden fahre, schnappe ich mir nur mein Tablet und kann gleich loslegen.

Und wie finanziert sich physiobox überhaupt?

Im Moment wirft die physiobox noch kein Geld ab, da wir noch in der intensiven Testphase und noch nicht auf dem Markt sind. Das heißt, derzeit finanzieren wir uns aus Eigenkapital, hoffen aber bald Förderungen zu bekommen.

Ist dir irgendein Problem im Gedächtnis geblieben, einfach weil ihr dachtet, die Hürde packen wir nicht?

Zum Glück haben wir bisher keine gravierenden Probleme miterlebt. Natürlich gibt es immer wieder Herausforderungen, die es zu lösen gilt: Zu wenig Zeit, finanzielle Engpässe, Schwierigkeiten bei der Planung oder kleine Meinungsverschiedenheiten. Aber das ist ja normal.

Was wir gelernt haben: Oft meistert man Dinge am besten nicht alleine. Durch Beratung von erfahrenen Menschen oder durch eine Außenansicht von Freunden und Bekannten geht oft ein Knoten, den man als unlösbares Problem wahrgenommen hat, ganz leicht auf.

Das heißt, ihr habt euch auch professionelle Hilfe von außen geholt?

In erster Linie haben wir einen großen Freundeskreis, der uns mit Fachwissen zur Seite steht. Was uns aber vor allem geholfen hat, ist, dass wir seit einiger Zeit beim StartupLeitner Axelerator mitmachen. Dort bekommen wir ausgezeichnete Beratung und Unterstützung von erfahrenen Leuten in Bereichen Vertrieb, Förderungen und Marketing was natürlich eine große Hilfe für uns ist.

Und dann gibt es natürlich noch Unterstützung seitens der WKO.

Du hast ja bereits gesagt, dass du mit zwei deiner Teamkollegen bereits befreundet warst. Wie schaut’s mit dem restlichen Team aus? Wie habt ihr euch gefunden?

Genau, Johannes, Christian und ich kennen uns schon seit unserer frühen Jugend. Harald, unser Mann für die Kommunikationsarbeit, gehört ebenfalls schon länger zum Bekanntenkreis und ist durch einen Zufall und einem Treffen im Café Leopold dazugekommen. Bernhard, der fünfte im Bunde, hat bei uns ein Praktikum gemacht und wir wollten ihn danach einfach nicht mehr gehen lassen. 

Was macht ihr neben physiobox? Alle schon voll berufstätig?

Wir sind derzeit alle in mehreren Bereichen selbstständig. Ich arbeite wie gesagt als Physiotherapeut, Johannes als Grafiker und Photograph, Christian ist freiberuflicher Programmierer. Bernhard ist Student und hat nebenbei schon sein eigenes Softwareunternehmen gegründet und Harald kommuniziert und schreibt in verschiedenen Bereichen.

Nachdem ihr ja alle voll ausgelastet seid, wie schaut da eure Work-Life-Balance aus?

Ich denke die zentrale Erkenntnis in dieser Frage war für uns: Wenn der Arbeitsalltag Spaß macht, man das Projekt weiterbringen will und man es dabei auch noch mit netten Leuten zu tun hat, nimmt man die Arbeit nicht als Belastung oder als Gegensatz zur „life“-Komponente wahr. Dann ist es auf einmal gar nicht mehr so schlimm, mal das Wochenende durchzuarbeiten.

Wie sehen eure Zukunftspläne für die physiobox aus?

Das erste große Ziel ist natürlich mal, die physiobox auf den deutschsprachigen Markt zu bringen und einen fulminanten Start hinzulegen. Ein wesentlicher Punkt in Zukunft wird auch sein, dass physiobox nicht statisch bleiben wird: Wir stehen bereits jetzt in einem intensiven Austausch mit der Physio-Community und wollen laufend Funktionen und Add-Ons einbauen, die von den Anwendern gewünscht sind. So entwickelt sich das Produkt mit der Zielgruppe mit, anders hat das keinen Sinn.

Ein großer Schritt wird natürlich auch die Erschließung internationaler Märkte sein. Wir haben sogar schon Pläne in der Schublade liegen, ein wenig wird es aber noch dauern bis wir sie verwirklichen können.

Und nach deiner Erfahrung heraus, welche Tipps würdest du anderen Gründern mitgeben?

Teilt euch eure Zeit gut ein, überstürzt nichts aber lasst ungeliebte Arbeiten nicht liegen. Und, ganz wichtig: Immer die richtige Balance aus Produktentwicklung und dem ganzen Rundherum finden. Die beste Finanzierung, Werbung und Unternehmensorganisation nützt nichts, wenn das Produkt nur mittelmäßig ist und umgekehrt bringt ein super Produkt nichts, wenn die Firma organisatorisch und kommunikativ schlecht aufgestellt ist.

Holt euch Unterstützung wo ihr nur könnt und redet viel mit anderen Leuten. Heimlich und alleine im Keller den Welterfolg planen ist eine Illusion. Also rausgehen, networken, Leuten erzählen was man macht. Dann wird das was!

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