Mit BikerSOS Leben retten – Werner Richtsfeld im Interview

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BikerSOS – eine App, die im Notfall die Rettungskette auslöst, um schnell Hilfe leisten zu können und möglicherweise ein Leben rettet. Das Team um BikerSOS bietet den Service der Unfallerkennung und weitere Funktionen gratis allen seinen Usern an, weitere Features sind in Planung.

BikerSOS Co-Founder Werner Richtsfeld im Interview mit startablish über den Stellenwert von Konkurrenz und wie man sich und sein Unternehmen auf kritische Fragen vorbereitet.

Welches Ziel verfolgt ihr mit BikerSOS?

Motorradfahrer haben das Problem, dass sich die Familie ständig Sorgen macht, wenn man mit dem Motorrad unterwegs sind. Nicht unbegründet, denn alleine in Österreich, Deutschland und der Schweiz gibt es über fünf Millionen Motorradfahrer und jährlich passieren hier mehr als 60.000 Unfälle. BikerSOS hat genau dafür die Lösung. Eine App für Motorradfahrer, die Unfälle erkennt und automatisch einen Notruf an Notfallkontakte und eine Notrufzentrale absetzt.

Wie ist die Idee dazu entstanden?

Die Idee zu BikerSOS ist 2014 entstanden. Mein Gründungspartner und Freund Christian Indra und ich sind begeisterte Motorradfahrer. Das genannte Problem der sich sorgenden Angehörigen betraf auch uns und so entstand die Idee. Nach einem Jahr Entwicklung hatten wir unsere erste Version, damals noch ohne Notrufzentrale veröffentlicht. Die App bekam rasch großen Zuspruch und im Frühjahr 2016 gründeten wir die Firma. Danach folgte auch die Notrufzentralenanbindung

Ihr bietet die App gratis an, wie sieht dennoch langfristig euer Geschäftsmodell aus? Und wie habt ihr euch bisher finanziert?

Unsere App soll auch weiterhin gratis bleiben und für jeden Motorradfahrer einen gewissen Grundschutz bieten. Dies bedeutet Unfallerkennung mit dem Handy und Alarmierung eines Notfallkontaktes. Durch die Anbindung der Notrufzentrale starteten wir die Premium Version, welche eben diese inkludiert und eine unbegrenzte Anzahl an Notfallkontakten ermöglicht. In Zukunft wird diese noch weitere Funktionen umfassen.

Gibt es bereits Konkurrenzprodukte am Markt?

Es gibt Konkurrenzprodukte, jedoch keine in derartiger Kombination wie es BikerSOS bietet. Wir wollen den Kunden eben die Sicherheit geben sowohl Unfälle erkennen zu können als auch nicht auf wichtige Zusatzfunktionen für Motorradfahrer verzichten zu müssen. Konkurrenz ist immer wichtig, denn es bedeutet auch, dass ein Bedarf für das Produkt besteht.

Welche Features beinhaltet die App nun?

Die Hauptfunktionalität ist die Unfallerkennung und Alarmierung von Notfallkontakten sowie der Notrufzentrale. Dieser werden freiwillig anzugebende medizinische Daten und der Standort des Unfalls übermittelt. Die Rettungskräfte wissen somit sofort wo und mit wem sie es zu tun haben und wie sie sich auf den Unfall vorbereiten können. Außerdem können die Fahrer ihre Touren aufzeichnen und später in der App einsehen. Zusätzlich ist es möglich einen Live-tracking Link zu verschicken, um interessierte Angehörige oder Freunde die eigene Tour mitverfolgen zu lassen.

Welche Funktionen sind in Zukunft noch geplant?

Wir arbeiten gerade an einer neuen Version, die noch dieses Jahr vorgestellt wird und den Bedürfnissen der Community weiter entgegenkommt und an einem Projekt, um die Unfallerkennung zu verbessern sowie weitere Bereiche rund um das Thema Sicherheit bei Motorradfahrern, mehr kann ich dazu noch nicht sagen.

© BikerSOS
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Wie funktioniert genau der Auslöser eines Notruf durch BikerSOS?

Ein Unfall wird durch die im Handy verbauten Sensore erkannt und es startet ein Countdown. Dieser Countdown kann auch manuell ausgelöst werden, falls nicht direkt ein Motorradunfall passiert ist, sondern eine andere Notsituation vorherrscht. Läuft dieser Countdown ab, werden die Notfallkontakte und die Notrufzentrale alarmiert.

Was waren bisher die größten Probleme, die ihr meistern musstet?

Die größten Hürden waren sicher zum einen die Unfallerkennung selbst und zum anderen die Optimierung der App, um diese einfach zu halten und dennoch mit der notwendigen Funktionalität auszustatten.

Ihr hattet in den letzten Monaten eine sehr hohe Medienpräsenz, erhöht das nicht auch den Druck auf euch persönlich, dass das Produkt garantiert funktioniert?

Wir freuen uns, dass unser Produkt so gut angenommen wird und Teil dieser Community sein zu können. Wir erhalten sehr viele Supportanfragen, die einfach nur Lob und Dank enthalten, dass wir uns an ein so sensibles Thema heranwagen und hier versuchen eine Lösung anzubieten. Der Druck ist natürlich groß, aber wir tun alles dafür, um unsere Kunden und Motorradkollegen zufrieden zu stellen.

Habt ihr euch überlegt, wie ihr als Unternehmen reagiert, falls tatsächlich die App bei einem Unfall einmal nicht funktionieren sollte?

Unsere App ist leider auch nur ein Hilfsmittel und kann auch keine 100% Garantie sein, dass ein Unfall erkannt wird oder ein Notruf gesendet werden kann. Die Abhängigkeit von der jeweiligen Hardware (Smartphone) und des Netzbetreibers, was einerseits eine so große Verfügbarkeit darstellt und uns andererseits eben auch vor Probleme stellt, ist natürlich gegeben. Wir stehen auch ganz offen dazu, dass über diesen Weg keine 100% Garantie gegeben werden kann. Wir versuchen aber die Unfallerkennung ständig weiterzuentwickeln und zu verbessern, um so im Ernstfall helfen zu können.

Wenn nur ein Unfall erkannt wird und wir so einem Menschen das Leben retten können, hat sich all der Aufwand, den wir bis jetzt geleistet haben und in Zukunft noch leisten werden schon mehr als bezahlt gemacht.

© startablish
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Glückwunsch nochmal zum Gewinn des „Startup des Jahres 2016“- Award! Sei ehrlich, hättest du mit dem Titel gerechnet?

Vielen Dank! Nein, damit haben wir absolut nicht gerechnet. Nachdem ich gesehen habe, was für tolle Projekte und Startups mitmachen war ich wirklich überrascht. Als ich davon erfahren habe, hatten wir gerade unsere Weihnachtsfeier, der Zeitpunkte hätte nicht besser sein können. Ich möchte mich hiermit auch noch bei all unseren Fans und allen Motorradfahrern bedanken, denn diese Auszeichnung spiegelt den Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft dieser Community wieder.

Nachdem ihr bisher so erfolgreich gewesen seid, hättest du Tipps für andere Gründer?

Nicht aufgeben, nicht verstecken, offen sein, hinter der eigenen Idee stehen und jede Möglichkeit nutzen, um seine Idee oder sein Projekt vorzustellen, zu verbreiten und von anderen bewerten zu lassen. Jedes Feedback, egal ob positiv oder negativ, ist von großem Wert und sollte man im Hinterkopf behalten.

Und jetzt aus reinem Interesse, wie oft fährst du selbst Motorrad?

So oft es geht, leider im letzten Jahr etwas weniger, aber ich hoffe 2017 kommen einige spannende und unfallfreie Ausfahrten dazu.

BikerSOS