Meine Startup- GmbH weist negatives Eigenkapital aus – was tun?

© Dr. Rosam Karl J.

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Oft kämpfen Startups von der ersten Minute an mit Liquiditätsengpässen bzw. einer zu dünnen Eigenkapitaldecke. Hier von einer Krise zu sprechen, wäre wohl verfehlt, zumal bei vielen jungen Unternehmen in den Jahren der Anlaufphase eine solche Situation den Dauerzustand darstellt. Aber was tun, wenn das Eigenkapital negativ wird? Jedenfalls gibt negatives Eigenkapital zum Anlass, das Vorliegen eines etwaigen insolvenzrechtlichen Tatbestands zu prüfen. Diese Prüfung sollte genau genommen laufend erfolgen. Schließlich ist der Geschäftsführer dafür verantwortlich im Falle der Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft rechtzeitig, somit ohne schuldhafte Verzögerung, spätestens aber binnen 60 Tagen Gegenmaßnahmen zu setzen und in letzter Instanz, wenn gar nichts mehr hilft, Konkurs anzumelden. Tut er das nicht, so haftet er für den durch die Insolvenzverschleppung eingetretenen Schaden. Hierzu gehören auch relativ harte Lohndumpingstrafen, die durch ein wegen Insolvenzverschleppung schuldhaftes Nichtauszahlen der Mitarbeiterentgelte ausgelöst werden können.

Zunächst handelt es sich bei negativen Eigenkapital um eine rein buchmäßige Betrachtung, mit der Aussage, dass die Schulden die Buchwerte des Vermögens übersteigen. Somit sollte im ersten Schritt geprüft werden, inwiefern eine Bewertung zu Liquidationswerten zu einem anderen Ergebnis führen würde. Verfügt die Gesellschaft etwa über ein Grundstück, welches zu aktuellen Marktwerten bewertet einen weitaus höheren Wert als den Buchwert aufweist, kann eine derartige Bewertung den insolvenzrechtlichen Überschuldungtatbestand schon aufheben. Gleichzeitig sind auch etwaige (noch) nicht ausgewiesenen Schulden bei dieser Berechnung mit aufzunehmen. Bei Startups hilft die Bewertung zu Liquidationswerten idR. nicht viel weiter, da diese jungen Unternehmen kaum über stille Reserven, wie man sie bei Immobilien häufig vorfindet, verfügen. Auch selbst programmierte Software kann isoliert betrachtet selten gewinnbringend verkauft werden.

Somit ist bei Startups regelmäßig ein weiterer Schritt notwendig, nämlich jener einer Fortbestehensprognose. Hierbei wird anhand einer Cashflow-Planungsrechnung beurteilt, inwiefern die Gesellschaft in Zukunft ihre Schulden wird zahlen können. Diese Berechnung wird der Geschäftsführer idR. vom bereits vorliegenden Businessplan ableiten können. Er muss freilich darauf achten, nicht besonders optimistische Szenarien zu berechnen, sondern möglichst realistische. Das Ziel ist ja hier nicht möglichst viel Geld von Investoren zu lukrieren, sondern objektiv einzuschätzen, ob die Gesellschaft nachhaltig in der Lage sein wird, Ihre laufend anfallenden Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.

Fortbestehensprognosen können aber auch sehr aufwendig und kostenspielig sein, insbesondere wenn die Erstellung an objektive außenstehende Sachverständige ausgelagert wird. Mangels Erfahrungswerten aus der Historie des Unternehmens fällt es auch extrem schwer zu prognostizieren, wie sich zukünftige Cash – Flows entwickeln. Dieser Umstand und die damit einher gehenden Risiken geben häufig zum Anlass über weitere Alternativen nachzudenken, wie der buchmäßig vorliegende insolvenzrechtliche Tatbestand entkräftet werden kann.

Die wohl einfachste Möglichkeit, negatives Eigenkapital zu kompensieren, ist der Gesellschafterzuschuss. Erklären sich ein oder mehrere Gesellschafter bereit, soviel Geld in die Gesellschaft als Eigenkapital einzuzahlen, dass dieses wieder positiv wird, ist der insolvenzrechtliche Tatbestand entkräftet. Die Kapitalverkehrssteuer wurde in Österreich mittlerweile abgeschafft, wodurch abgabenrechtlich kein Nachteil entsteht. Vorteilhaft sind hier eine hohe Transparenz und die Steigerung der Bonität. Nicht selten sind auch Förderungen von der Eigenkapitalhöhe abhängig, (vgl. double equity Förderung).   Gleichzeitig werden freilich die Gesellschafter, die bei Kapitalnachschüssen mit Stammkapitalerhöhung nicht mitziehen in der Regel verwässert – ihr Anteil am Kuchen wird kleiner, weil sie selber von dem insgesamt eingezahlten Eigenkapital weniger beigetragen haben.

Häufig finden sich unter den Finanzierungsmittel auch private Darlehen von Gesellschaftern oder diesen nahe Stehenden, nicht selten auch als Wandeldarlehen ausgestaltet. In solchen Fällen bietet sich ein Forderungsverzicht an. Hier verzichten eben diese Darlehensgeber auf ihre Forderungen zugunsten des Eigenkapitals, bzw. wandeln diese wodurch das Kapital in der Bilanz als Kapitalrücklage und somit als Eigenkapital ausgewiesen wird. Umfasst der Forderungsverzicht einen höheren Betrag, als das negative Eigenkapital ausmacht, dreht letzteres ins Positive und der insolvenzrechtliche Tatbestand ist entkräftet. Als Konsequenz erhalten die Darlehensgeber keine Darlehenszinsen mehr. Im Gegenzug werden sie aber als Gesellschafter genauso wie bei den Kapitalnachschüssen eine Besserstellung, also eine höheres Beteiligungsausmaß einfordern. Gegebenfalls können Forderungsverzichte auch mit Besserungsvereinbarungen verknüpft werden. Dies hat zur Folge, dass wenn die Gesellschaft sich wieder erholt, die ehemaligen Darlehensforderungen wieder aufleben.

Eine Abstufung des Forderungsverzichts, stellt die Rangrücktrittserklärung dar. Erklären Darlehensgeber ihre Forderung als nachrangig, dann werden im Falle einer Liquidation deren Ansprüche erst getilgt, wenn sämtliche andere Gläubiger bereits befriedigt wurden. Mit anderen Worten – durch eine Rangrücktrittserklärung kann der Geschäftsführer vorrangig alle anderen Gläubiger wie Gebietskrankenkasse, Finanzamt und Lieferanten bezahlen und nur wenn dann noch Geld übrig bleibt, sind die nachrangigen Darlehen zu tilgen. Die erhaltenen Fremdmittel werden gedanklich in Eigenkapital umqualifiziert und können damit das negative Eigenkapital ins Positive drehen.

Bei mehrstufig strukturierten bereits größeren Unternehmen bietet sich auch die sogenannte Patronatserklärung an. Hier verpflichtet sich eine andere Gesellschaft, idR. die Muttergesellschaft der notleidenden Tochtergesellschaft im Falle des Eintritts einer Zahlungsunfähigkeit, für die offenen Schulden aufzukommen. Man kann sich das wie eine Bürgschaft vorstellen, nur dass hier im Gegensatz zur Bürgschaft der Gläubiger sich nicht unmittelbar an die mithaftendende Gesellschaft wenden kann, sondern die Tilgung der Schulden regelmäßig über die betroffene Gesellschaft erfolgen muss. Eine solche Patronatserklärung wird freilich nur dann ausreichend sein, den insolvenzrechtlichen Tatbestand zu entkräften, wenn der Patron über eine ausreichend gute Bonität verfügt.

All diese Maßnahmen befreien die Geschäftsführung der Gesellschaft freilich nicht von der Verpflichtung laufend nachzuprüfen, inwiefern sämtliche Verbindlichkeiten noch fristgerecht bezahlt werden können. Hierzu ist eine zeitnahe Buchführung als Basis für die Cashflow Rechnung unerlässlich. Darüber hinaus stellt die Vernachlässigung der Buchführung einen weiteren insolvenzrechtlichen Straftatbestand aus.

Dr. Rosam Karl J.

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Steuerberater bei tax360
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