Interview mit Ticket Gretchen

(c) Ticketgretchen

Für mich ist und bleibt es eine Faszination, wie es Theaterschauspielern gelingt, in der heutigen Zeit voller Technik und Special Effects, einen ganzen Saal voller Menschen von Anfang bis zum Ende in ihren Bann zu ziehen.

Daher kann ich es gut nachvollziehen, dass die Gründer von Ticket Gretchen gerade durch ihre Leidenschaft zum Theater angespornt wurden. Gründer Wolfgang Graf und Gerald Stockinger kombinieren ihr Know-how mit einem simplen Konzept, bei dem es doch recht verwunderlich (und wahrscheinlich auch etwas österreichisch) ist, dass diese Idee noch nicht früher aufgekommen ist.

Kannst du uns ganz kurz erklären, was man unter Ticket Gretchen verstehen kann?

Kurz gesagt, Ticket Gretchen ist die Möglichkeit kulturelle Angebote zu bewerten oder zu empfehlen und sich natürlich die besten Plätze schnell zu reservieren – und das alles vom Smartphone aus.

Und wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

Wolfgang und ich arbeiten beide schon länger mit Verfahren und Prozessen in Bezug auf Business Intelligence. Die Ausgangssituation für die Idee zu Ticket Gretchen war, dass sich in den rund zehn Jahren, in denen wir nun schon in verschiedenen Kulturbetrieben arbeiten, sich sehr viel im Bereich elektronischer Datensammlung und Auswertung getan hat. Derzeit greifen bis zu 70% der User von mobilen Endgeräten auf die Webseiten der Museen, Theater, etc. zu, die Ticketkaufrate liegt jedoch trotzdem nur bei gerade mal 1%. Ein Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass wir in einer komplett mobilen Welt leben. Wir buchen unsere Reisen, organisieren unsere Bankgeschäfte, kaufen unser Gewand übers Handy, aber für Theaterkarten stellen wir uns noch immer in der Schlange an?
Wir haben in Österreich eines der vielseitigsten Kulturangebote der Welt, aber das nützt einem wenig, wenn man die Kunden nicht dort abholt wo sie zu finden sind und das wäre am Smartphone.

Da die Kulturszene uns sehr am Herzen liegt, haben wir das Konzept von Ticket Gretchen entwickelt. Wir arbeiten mit live geschalteten Schnittstellen, so man hat auf einen Klick den kompletten Überblick. Als ersten Partner haben wir das Theater an der Josefstadt gewonnen.

Was macht euch so einzigartig?

Bei der Entwicklung der App war uns wichtig, dass wir beim Kartenkauf das one-click Prinzip verwenden. Das ist sicher einer der größte USPs von Ticket Gretchen. Dazu kommt das „live – ticketing“ – System, das in Echtzeit die noch vorhandenen Sitzplätze mit dem jeweiligen Theater aktualisiert.

Wir bekommen einfach auch echt gutes Feedback von den Kunden. Die App läuft gut und das System dahinter funktioniert! In den ersten Wochen nach dem Launch hatten wir bereits über tausend Downloads und waren sogar unter den Top 3 im App Store. Mittlerweile finden täglich Ticketkäufe über die Ticket Gretchen Josefstadt App statt.

Euer größtes Problem beim Gründen, was war das?

Grundsätzlich das Ganze in Gang zu bringen. Einer der wichtigsten Meilensteine für uns war einfach der Launch. Nachdem unser Projekt relativ langfristig und auch von der Perspektive sehr groß ausgelegt ist, gibt es immer irgendwas was noch zu machen ist. Irgendwann muss man aber dann loslassen und mit dem Produkt einfach starten. Diesen Punkt zu erreichen, wo sich alles vereinigt, wo alles funktionieren muss, das ist sicher eine der größten Herausforderungen gewesen.

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Apropos Perspektiven, habt ihr schon konkrete Pläne wie sich Ticket Gretchen weiterentwickeln soll?

Das Großartige an dem Konzept von Ticket Gretchen ist, dass wir mit mehreren Ticketsystemen gleichzeitig kommunizieren können, das ist weltweit einzigartig. Das bedeutet, dass Ticket Gretchen einfach ein enormes Wachstumspotenzial hat, welches wir natürlich auch erkannt haben. Derzeit arbeiten wir auch an einzelnen Berlin-, Wien- und New York- Apps, bei denen man das gesamte Programm auf einen Blick erhält. Und der Masterplan ist dann natürlich ein weltweites Bookingsystem für Kulturangebote.

Wie schaut es bei euch mit der Finanzierung aus?

Es gibt zwei große Förderquellen, die eine kommt direkt aus unserer eigenen Tasche, die andere erhalten wir von der AWS. Diese Förderung nennt sich Pre-seed Hochtechnologie Förderung.

Ihr habt Ticket Gretchen zu zweit gegründet, woher kennt ihr euch?

Wir kennen uns eigentlich schon sehr lange, seit nun fast neun Jahren! Wie gesagt, wir kommen beide aus dem Bereich Business Intelligence und nach sechs Jahren als externer Berater in derselben Firma in der auch Wolfgang gearbeitet hat, ist uns die Idee gekommen, warum nicht mehr aus unserem Know-how machen.

Wie würdest du eure Work- Life Balance beschreiben?

Man muss schon sagen, dass gerade bei Startups eine Differenzierung zwischen Work und Life herzustellen eher schwierig ist. Da hat man eine Idee, die ständig präsent ist und an der man die ganze Zeit arbeitetet – auch unbewusst. Dein Unternehmen ist ja etwas, wofür du brennst und in das man Herzblut investiert. Für mich gehört mein Startup, also meine Arbeit, einfach zu meinem Leben dazu.

Und letzte Frage, wir wollen natürlich auch von euch eure Tipps an junge Gründer wissen?

Grundsätzlich ist das Gründen eines Startups ein Auf und Ab. Trotzdem muss man immer dahinter sein, egal wie gut oder schlecht es läuft, sonst kannst du eigentlich auch gleich aufgeben.

Sicher, es ist ein Muss sich anzuschauen, wie man Geld verdienen kann, denn nur so kann man das Startup am Leben erhalten.

Meiner Meinung nach, ist es aber noch viel wichtiger so rasch wie möglich an einen Punkt zu gelangen, an dem ihr mit eurem Produkt mit euren jeweiligen Endkunden in Kontakt treten könnt um ein Feedback zu bekommen. Das ist Gold wert. Das hätten wir sicher schneller machen können. Setzt den Fokus auf Vertrieb und sucht nach Feedback, Feedback, Feedback!

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