Interview mit Refugeeswork.at am Pioneers Festival 2016

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Kannst du zu Beginn kurz euer Produkt erklären? Was genau macht ihr?

Das Produkt an sich ist eigentlich eine online Jobplattform für geflüchtete Menschen. Abgesehen von der Zielgruppe unterscheidet uns von anderen Karriereplattformen dass wir unsere User nicht nur vernetzen sondern darüber hinaus zusätzlich Unterstützung anbieten. Auch die Unternehmen unterstützen wir bei den bürokratischen Abläufen auch über das erfolgreiche Interview hinausgehend, zum Beispiel mit Informationen zu staatlichen Förderungen und bei der betrieblichen Integration hinsichtlich Arbeitskultur, Religion, Kommunikation und organisatorischer Abläufe.

Das klingt sehr arbeitsintensiv, wie viele Mitarbeiter arbeiten im Moment bei refugeeswork? Wie funktioniert die Zusammenarbeit bisher?

Im Moment sind wir vier Vollzeitkräfte und eine geringfügige Arbeitskraft. Bei einem Startup muss jeder irgendwie alles machen aber wir haben das Team so zusammengestellt, dass wir uns sehr gut gegenseitig ergänzen. Jeder hat seinen Aufgabenbereich und ich bin eigentlich der einzige der sehr oft Überschneidungen hat. Christoph, ist unser Programmierer, Fatima ist für die Kommunikation mit den Geflüchteten zuständig, Jakob kümmert sich hauptsächlich um bürokratische Themen und bereitet Finanzierungsrunden und Wettbewerbe vor und ich. Bisher haben wir sehr viel remote mit Trello und Slack gearbeitet. Da das Produkt jetzt aber immer größer wird, ist es immer wichtiger, dass wir alle besser über die Arbeit der anderen Bescheid wissen. Im Sommer werden wir deshalb wahrscheinlich regelmäßig im Impact Hub arbeiten und den Jour Fix institutionalisieren.

Wie viele Kunden betreut ihr mittlerweile über die Plattform?

Registrierte User, also geflüchtete Menschen auf Arbeitssuche, haben wir etwa 1900 und auf der anderen Seite sind es etwa 220 Unternehmen die bei uns Stellen ausschreiben. Das sind bis jetzt zum Großteil kleine Unternehmen, wir bemühen uns jedoch verstärkt größere Unternehmen anzusprechen.

Wann hat bei dir die Idee gezündet und wie lange hat es bis zur Umsetzung gedauert?

Begonnen hat alles letzten November. Damals habe ich auf einer Bildungskonferenz einen Geflüchteten getroffen und bei dieser Begegnung ist mir wirklich bewusst geworden, wie viele talentierte Menschen mit großen Ambitionen zu uns kommen und wir machen nichts draus. Refugeeswork hat dann eigentlich als Side Project neben unserem damaligen Startup begonnen. Die Idee ist jedoch innerhalb kürzester Zeit so gewachsen, dass wir das erste Unternehmen mittlerweile an jemand anderen übertragen haben und uns seit Jänner nur noch auf die Jobplattform konzentrieren.

Ihr arbeitet auch mit anderen Organisationen im NGO Bereich z.B. respACT oder Magdas Kantine zusammen. Wie kommt ihr zu diesen Kooperationen, wo knüpft ihr dafür die Kontakte?

Durch unser erstes Social Enterprise Alltagshelden, bei dem wir ProBono Projekte vermittelt haben, hatten wir bereits viele NGO Kooperationen. Und ihr kennt das sicher, in jeder Branche gibt es einen relativ kleinen Kreis von Leuten die sehr engagiert sind und in diesem funktioniert die Vernetzung sehr rasch.  Wir schreiben aber auch aktiv NGOs an und nutzen da vor allem die großen Multiplikatoren Caritas, FondsSozialesWien, Volkshilfe.

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Ich habe gesehen, dass ihr sehr fleißig beim Bewerben für unterschiedlichste Awards seid z.B. Social Impact Award, Trigos, mig.award. Wie wichtig sind diese Wettbewerbe für euch?

Diese Preise sind für junge Unternehmen einfach eine tolle Möglichkeit Kontakte zu knüpfen und Unterstützung von anderen Organisationen zu erhalten. Über den mig.award haben wir uns aber besonders gefreut da man sich für den gar nicht selbst bewerben kann, sondern von den Migranten nominiert wird. Wir waren dort in der gleichen Kategorie wie Lobby.16 und ÖBB nominiert und waren wirklich sehr positiv überrascht.

Im NGO Bereich spricht man vielleicht nicht wirklich von Konkurrenz, aber ihr habt doch sicher Wettbewerb?

Nein haben wir nicht. Es gibt natürlich Initiativen wie workin.at aber die arbeiten nur mit kleinen Gruppe von Leuten zusammen und bilden sie gezielt aus. Solche Organisationen sind für uns tolle Kooperationspartner – eine Jobplattform für Geflüchtete gibt es noch nicht.

Und wie verdient ihr Geld?

Wir erhalten jährliche Mitgliedsbeiträge von den Unternehmen. Kleine Unternehmen, bis 15 Mitarbeiter, zahlen in unserem Modell keinen Beitrag, danach sind die Beiträge je nach Unternehmensgröße gestaffelt von 500-5.000 €. Wir finanzieren uns also hauptsächlich durch größere Unternehmen.

Wie funktioniert der Sale an diese großen Unternehmen?

Es läuft natürlich viel über Netzwerke. Manchmal treffe ich Leute die mich mit ihren HR Managern vernetzen oder ich schreibe die Unternehmen direkt an. Wenn ich einmal einen Termin bekommen habe, sagen fast 100 % der Unternehmen zu. Das ist der Vorteil eines Social Enterprises – man hat eine emotionale Story – wenn man die gut und mit ordentlichen Zahlen vermitteln kann, sind viele Unternehmen sehr aufgeschlossen.

Was sind eure Zukunftspläne, gibt es Pläne zur Expansion über Österreich hinaus?

Also die richtig große Zukunftsvision… dazu muss man bedenken, dass in 20 Jahren 60 % der Bevölkerung in Pension sind. Als Staat haben wir also zwei Möglichkeiten, entweder die Leute bleiben länger im Arbeitsleben oder wir haben Migration. Wir haben eine Plattform gebaut, bei der wir uns intensiv damit beschäftigen wie man Leute aus anderen Kulturen, mit anderem Sprachhintergrund möglichst schnell in den Arbeitsmarkt integrieren kann. Das wird in 5, 10, 15 Jahren notwendig sein weil wir nicht plötzlich 200.000 neue Österreicher aus dem Boden stampfen können. Wir beginnen jetzt also mit Refugees und möchten die Plattform immer breiter aufstellen, eine Art diversity Jobplattform.

Was waren die wichtigsten Erkenntnisse der letzten Monate? Habt ihr Tipps für andere Social Startups?

Ganz wichtig ist es, dass man mit der Idee sehr früh rausgeht. Zwei Wochen nachdem wir uns dazu entschlossen haben refugeeswork zu starten, hatten wir schon eine Facebook Seite und eine Crowdfunding Kampagne. Sales, Partnerschaften alles dauert unheimlich lange. Je früher du rausgehst desto früher kann die Mundpropaganda beginnen und du erhältst Feedback zu deiner Idee. Ein zweiter Punkt: beim Geschäftsmodell kann man durchaus kreativ sein und einfach mal Dinge ausprobieren. Und wie bereits erwähnt, die emotionale Story nützen.

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