Interview mit offisy

 (c) offisy

Ich finde die Idee mir meine Arzttermine online planen zu können super. Ich hab meinen Kalender bei der Hand, sehe welche Termine offen sind und kann solange überlegen wie ich will. Mir ist zwar klar, dass einen Termin buchen keine große Sache ist, angenehmer macht es eine Software wie offisy aber trotzdem.Zwei Linzerinnen hatten eine Idee, schmiedeten einen Plan und setzten ihn um. All das an einem Wochenende. Was dahinter steckt und worauf das Team von offisy großen Wert legt, erzählt Gründerin Stefanie Gerhofer im Interview.

Kurz gesagt, was ist offisy?

Offisy ist eine Software, deren Ziel es ist, Dienstleister dabei zu unterstützen ihren administrativen Aufwand so gering wie möglich zu halten und gleichzeitig sich mit den Kunden besser zu vernetzen und neue Kunden online zu akquirieren.

Wie ist die Idee zu offisy entstanden und wie seid ihr als Team zusammengekommen?

Carina und ich haben gemeinsam studiert. Nachdem ich bei einer Bank und bei karriere.at Berufserfahrung gesammelt habe, kam irgendwann der Zeitpunkt, an dem ich beschlossen habe, mich selbstständig zu machen. Kurz davor sind Carina und ich wieder in Kontakt gekommen. Wir haben damals über die Selbstständigkeit gesprochen und festgestellt, dass es uns beiden ähnlich geht: Der Wunsch, einmal was Eigenes aufzubauen war sehr stark!

Und dann ging eigentlich alles sehr schnell! Ich hab die Carina angerufen und gemeint, der Moment ist jetzt da, lass uns etwas machen und sie war sofort dabei! Wir haben uns gleich am nächsten Tag getroffen, ich kann mich noch so gut erinnern. Es war ein wunderschöner Freitag und wir haben gebrainstormt und einfach alles niedergeschrieben, was uns eingefallen ist. Und wir haben uns damals auch schon vorgenommen und gesagt, dass wir unsere Idee gleich am Montag umsetzen werden. Warum warten? Die Idee war da, eine Software zu entwickeln, die Terminbuchung online einfach und effizient abwickelt. Und so schnell kam es zu offisy!

Was waren eure größten Probleme in der Startphase?

Anfangs war da natürlich die Hürde, dass wir beide nicht programmieren können. Wir haben uns dann bei verschiedenen Firmen Angebote eingeholt, aber die verlangen teilweise zwischen 80.000 und 120.000 €. Diese Kosten zu stemmen ist für ein junges Startup einfach unmöglich. Zum Glück haben wir dann in einem Linzer Coworking- Space namens Akostart einen Programmierer kennengelernt, der uns dann für zwei Jahre begleitet und betreut hat.

Hattet ihr je vor vielleicht nach Wien zu gehen um dort euer Startup zu starten?

Carina und ich haben beide in Linz Wirtschaft studiert und es war unglaublich, was für ein Netzwerk man sich da aufbauen konnte. Zum Beispiel, kennen wir hier unterschiedliche Steuerberater und Rechtsanwälte, die uns mit Rat zu Seite stehen. Ich denke, es macht einfach mehr Sinn dort sein Startup aufzubauen, wo man bereits ein Netzwerk hat, auf das zurückgegriffen werde kann. Wien hat sicher seine Vorteile, aber wir hätten uns wahrscheinlich schwerer getan als in Linz.

Was macht euer Produkt zu etwas Besonderem, wo liegt euer USP?

Das Feedback, dass wir von unseren Kunden bekommen, was uns von anderen unterscheidet, ist das unsere Usability einfach viel besser ist als bei vergleichbaren Produkten.

Als zusätzliche Dienstleistung an unsere Kunden, sind wir auch rund um die Uhr erreichbar. Sogar zu Weihnachten waren wir lange im Büro und Kunden, die uns anriefen, waren überrascht und gleichzeitig begeistert, dass wir abgehoben haben. Für uns ist die persönliche Komponente, die normalerweise bei einem Online-Tool fehlt, besonders wichtig. Und das wäre dann auch unser starker USP. Wir telefonieren mit unseren Kunden, machen persönliche Einschulungen und das alles bei einem Produkt, das relativ günstig ist. Mittlerweile haben wir eine Kollegin, die ausschließlich für den telefonischen Kundenkontakt zuständig ist. Und das kommt bei unseren Kunden gut an, sie fühlen sich wohl, wenn sie wissen, dass wir für sie erreichbar sind.

Das heißt, auch jetzt noch, nachdem ihr deutlich gewachsen seid, hebt ihr zwei beim Telefon ab?

Natürlich, Carina und ich lieben und leben offisy. Manche Startup-Gründer geben zu schnell den Vertrieb an andere Mitarbeiter ab, dabei finde ich, dass der Vertrieb anfangs Sache des Gründerteams sein sollte. Das macht dein Produkt einfach aus und lässt sich auch besser verkaufen. Ich würde sogar mit gutem Gewissen behaupten, dass wenn ich zu Beginn den Vertrieb nicht gemacht hätte, offisy nicht dort wäre wo es jetzt ist.

Man kann die besten Programmierer haben, die kreativsten Designer, wenn man aber die Kundenbeziehung nicht aufbaut und nicht daran arbeitet wird es problematisch.

Habt ihr euch Hilfe von Dritten in Anspruch genommen?

Bei Akostart, von wo aus wir bis März 2015 unser Tagesgeschäft erledigt haben, haben wir regelmäßig Steuer- und Rechtscoachings bekommen und natürlich haben wir uns dort auch ein persönliches Netzwerk aufgebaut. Man lernt viele Menschen kennen, die dir mit wertvollen Kontakten und Tipps bei Seiten stehen. Man unterstützt sich hier in der Szene wirklich sehr gut, der Spirit ist unglaublich.

Wir haben entdeckt, dass ihr bei Startup 300 seid, Gratulation! Wie seid ihr dazu gekommen?

Dankeschön! Wir haben ja schon öfters für offisy gepitcht und unser Konzept präsentiert, aber das war nochmal eine ganz andere Erfahrung! Man ist zwar gewohnt sein Startup vorzustellen, aber wenn man sich dann bewusst wird, dass da um die 80 Investoren und Business Angel dahinter stehen, ist das einfach schon eine ganz neue Situation, der man da gegenübersteht! Zum Glück hat sich die Nervosität beim Pitch selber dann gelegt, haben die Präsentation dann gut gemeistert und die Aufnahme hat geklappt.

Eine eurer Zusatzleistungen ist die kostenlose Registrierkasse, wie kam das?

Einer der Wünsche unserer Kunden war, dass es doch fein wäre, da eh schon alles automatisiert funktioniert, man auch automatisch eine Rechnung erstellen könnte. Überhaupt mit dem Jahreswechsel stand das Thema Registrierkasse in aller Munde und viele unserer Kunden haben gemeint, dass sie sich die Umstellung zur Registrierung nicht leisten können. Wir haben uns diesen Punkt dann von der technischen Seite her angesehen und die Umsetzung hätte für uns im Paket keinen großen Mehraufwand gemacht.

Unser Unternehmerherz hat dann einfach zugeschlagen. So viele Unternehmer brauchen die Registrierkasse und wir können sie Ihnen als kostenloses Service anbieten. Die Registrierkassa können sowohl unsere bestehenden Kunden als Zusatz, als auch alle anderen Unternehmer als eigenes kostenloses Produkt nutzen. Die Nachfrage spricht für sich, mittlerweile nutzen um die 40.000 Unternehmer unsere Registrierkasse!

Da ist und war kein Hintergedanke dabei, wir hatten die Möglichkeit und wollen sie auch weiterhin kostenlos für jeden anbieten.

Wie würdest du deine momentane Work-Life-Balance beschreiben?

Die letzten drei Monate hatten es ziemlich in sich. Ich bin mir sicher, ich habe noch nie so viel gearbeitet wie in dieser Phase! Anfangs wenn man gerade erst vom Markt entdeckt wird, war es recht ruhig. In dieser Zeit haben wir hauptsächlich telefoniert um Kunden anzuwerben. Aber jetzt, da die Nachfrage boomt, ist richtig viel zu tun. Aber das ist gut, das war und ist ja auch unser Ziel! Wir bräuchten sogar schon mehrere Leitungen um alle Kundenanfragen bedienen zu könne.

Wir werden gerade eine richtige Firma und das ist ein tolles Feedback und ein gutes Gefühl!

Was sagst du zum Startup Boom in Österreich?

Schön, dass sich eine Szene entwickelt! Ich denke nur, dass es für viele einfach cool klingt ein Startup zu gründen, viele aber nicht wissen, dass eine enorme Arbeit dahintersteht.

Letzte Frage, was wären deine Tipps für zukünftige Gründer?

Auf keinen Fall denken, dass das Gründen ein Kinderspiel ist! Das ist es nämlich absolut nicht. Etwas Eigenes aufzubauen, eine Idee umzusetzen ist bestimmt das Härteste das man sich im Berufsleben vorstellen kann. Gleichzeitig aber auch das Schönst, wenn eine eigene Idee vorangebracht werden kann.

Zu Beginn kam von vielen Seiten der Rat, konzentrier dich lieber auf deinen anderen Job, der ist solide. Von offisy sollte ich lieber die Finger lassen. Von solchen Leuten sollte man sich nicht zu sehr beeinflussen lassen. Sicher, kritische Meinungen sollte man sich anhören, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Es ist nicht jedermanns Sache ein eigenes Unternehmen aufzubauen und daher kann auch nicht jeder deine Intention dahinter verstehen und erkennen.

Es macht einen Unterschied aus, ob dir jemand ein kritisches Feedback gibt, der in einer ähnlichen Situation gewesen ist oder jemand der bisher nichts Eigenes auf die Beine gestellt hat. Da muss man unterscheiden lernen.

Also zusammengefasst: starten und daran arbeiten! Zusätzlich sollte man für sich selbst schon einen Zeitpunkt definieren, an dem man sagt, wir hören auf, wir kommen einfach nicht voran, aber man ist auch nicht von heute auf morgen erfolgreich. Es dauert oft zwei bis drei Jahre bis ein Startup so richtig zum Laufen beginnt. Das sollte man nicht unterschätzen.

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