Interview mit NUMBER26 am Pioneers Festival

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 „Wenn du einen hast der an dich glaubt, dann bekommst du alle.“

Zwei junge Wiener möchten gemeinsam mit mittlerweile 140 Mitarbeitern das Bankenwesen in Europa revolutionieren. Im Jahr 2013 haben Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal ihr Startup NUMBER26 gegründet. Jetzt sind sie bereits so groß, dass es für die nächste Finanzierungsrunde in Europa nur mehr drei bis vier Namen gibt, die den Lead übernehmen können. Beim Pioneers Festival 2016 treffen wir Maximilian und sprechen mit ihm über ihren Sitz in Berlin, ihre Fundraising Strategie, Zukunftspläne und darüber, wie man mit einem Produkt wie NUMBER26 eigentlich Geld verdienen kann.

Hallo Maximilian, cool dass du dir an diesem turbulenten Tag in der Hofburg Zeit für uns nimmst. NUMBER26 wurde vor drei Jahren von dir und Valentin gegründet. Ihr beide seid aus Wien, habt euch aber dazu entschlossen mit eurer Idee nach Berlin zu gehen – wieso?

Tatsächlich haben wir in Wien gegründet, waren im ersten Monat noch in Wien und haben uns dann überlegt ob wir entweder nach Berlin oder nach London gehen sollen – quasi die beiden Startup Hauptstädte Europas. Es hat zwei Gründe gegeben: das eine war, dass man einfach einen besseren Zugang zu Investoren hatte in Berlin. Wenn man in Wien stationiert ist und irgendwie mit mehr als fünf Leute sprechen möchte muss man sich ins Flugzeug setzen, das ändert sich zum Glück. Das Hauptthema war eigentlich, dass wir daran glauben, dass die Qualität des Teams das wir an Bord holen können maßgeblich für unseren Erfolg ist. Man braucht einfach ein gewisses Mindset um in einem Startup zu arbeiten. Das heißt jetzt nicht, dass in Berlin alle Leute mit einem Startup-Mindset geboren werden. Aber Berlin wird im Moment so als Startup Hauptstadt gehypt, dass es unheimlich viele unternehmerisch-denkende Leute gibt, die nach Berlin ziehen um ein Startup zu machen. Wir haben 140 Leute in unserem Team und davon sind nicht einmal zehn in Berlin geboren. Insgesamt haben wir übrigens an die 30 verschiedene Nationalitäten.

Du hast ganz am Anfang bereits die Investoren angesprochen. Das würde mich und sicher auch unsere LeserInnen besonders interessieren. Wie war bisher eure Erfahrung mit Investoren? Habt ihr dazu Tipps für junge Startups?

Da gibt’s einige. Also Punkt eins: Fundraising ist eine der Haupt-Challenges jedes Gründerteams. Wir haben nach unserer zweiten Finanzierungsrunde, die circa nach einem Jahr war, im Founding Team überlegt wie viel Zeit wir eigentlich für Fundraising verwendet hatten – und das war ein gutes Drittel des gesamten ersten Jahres. Fundraising ändert sich, von den Zugängen und Partnern mit denen man spricht, aber es bleibt jedenfalls challenging. Was aber ein Trost sein kann für jeden Gründer in der Early Stage: Als wir gestartet sind haben wir mit institutionellen Anlegern gesprochen und haben festgestellt, dass wir zu Early Stage waren für all‘ diese Fonds. Und jetzt, drei Jahre später, wollen wir dieses Jahr eine weitere Finanzierungsrunde machen und es gibt in ganz Europa vielleicht nur mehr drei oder vier Namen die so eine Runde leaden können, alle anderen sind zu klein dafür. Bezüglich Ratschläge: Wir sind einen ganz klassischen Weg gegangen mit einer Business Angle Runde zu Beginn. Es war tatsächlich so: Wenn du einen hast der an dich glaubt, dann bekommst du alle. Wir konnten einen FinTech Experten, der übrigens aus Österreich war, für unser Thema begeistern. Er hat selbst gar nicht investiert, hat aber für uns die erste Runde zusammengestellt.

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Ihr seid ein Gründerduo, wie funktioniert die Zusammenarbeit? Wie ist die Aufgabenverteilung?

Grundsätzlich ist man gut damit beraten, sich zu überlegen dass man komplementäre Skillsets zusammenbringt. Wenn beide BWLer sind, die genau den gleichen Hintergrund haben, kann‘s zwar auch funktionieren, aber es ist sicher nicht das ideale Setup. Valentin und ich haben zwar beide einen Hintergrund in BWL aber Valentin ist aus dem Payment Bereich gekommen, war nach dem Studium bei zwei Startups von Rocket Internet und ich habe zusätzlich einen rechtswissenschaftlichen Hintergrund. Regularien und Compliance sind natürlich bei den Banking-Themen sehr, sehr wichtige Aufgabenstellungen. Daher hat das bei uns sehr gut zusammengepasst. Valentin ist eher auf der Produkt- und Marketing Seite, bei mir sind Operations, Regularien und Compliance und Finance angesiedelt. Grundsätzlich behandelt man als Gründer aber sehr viele Themen.

Wie genau funktioniert euer Konzept? Wie verdient ihr Geld?

Wir haben uns seit unserem Launch sehr viele Gedanken darüber gemacht wie wir wachsen können und wie wir das Vertrauen des Kunden gewinnen können. Wie wir Gewinne machen, war nicht wirklich die Sorge unserer Investoren oder von uns. Wir bieten im Moment ein sehr schlankes Produkt an mit einem modernen Giro-Konto, einer App, Mastercard und jetzt auch einem Overdraft. Wir haben ein Revenue Share Modell mit unserer Partnerbank und wir verdienen an der Interchange, das sind die Gebühren die ein Händler zahlt dafür, dass er unsere Karte akzeptiert, und wir verdienen an den Zinsen des Dispos. Wir arbeiten aber schon jetzt daran, dass wir einen FinTech Hub bauen, und unseren Kunden in jeder Kategorie das Beste anbieten. Eigentlich ganz ähnlich wie etablierte Banken werden wir langfristig nicht mit dem Girokonto Umsätze machen, sondern an den Produkten rundherum, zum Beispiel an Versicherungen, Kredite oder ähnliches verdienen.

Jetzt hast du bereits ein bisschen von euren Zukunftsplänen gesprochen. In welchem Zeitrahmen möchtet ihr diese Ziele erreichen?

Grundsätzlich bist du als Startup darauf angewiesen, dass du schnell agierst. Wir wollen in diesem Jahr alle 6-8 Wochen ein neues Produkt auf unsere Plattform bringen.

In einem Interview meintest du einmal euer Ziel sei die Börsennotierung. Wieso?

Wir denken ganz, ganz wenig über Exit Szenarien nach. Wenn man sich überlegt, dass wir NUMBER26 zur ersten paneuropäischen Bank aufbauen wollen und zu einer der führenden Banken Europas, dann macht natürlich ein IPO langfristig Sinn. Es macht nicht Sinn sich dann von einer Bank aufkaufen zu lassen, die vielleicht langsamer wächst als NUMBER26. Natürlich spielt auch mit, dass man mit einem IPO als Gründer das Unternehmen ganz stark nach den eigenen Vorstellungen weiter aufbauen kann. Wenn man an einen strategischen Investor verkauft besteht die Gefahr, dass man dessen Firmenideologie übernehmen muss.

Und unsere traditionelle, letzte Frage: Hast du noch einen Tipp für Startups? Was sollte man beim Gründen auf jeden Fall beachten?

Ich glaube ganz wichtig ist es das richtige Gründerteam zu finden. Und man muss sich darauf einstellen sehr viele Jahre sehr, sehr hart zu arbeiten. Die meisten Startups die ich scheitern gesehen habe sind daran gescheitert, dass sich die Gründer nicht dazu committen konnten wirklich jeden Tag von der Früh bis nach Mitternacht zu arbeiten – sieben Tage die Woche und das viele Monate oder auch Jahre.