Interview mit Business Angel Martin Egger

(c) MARTIN EGGER

Martin, du hast 2003 die Werbeagentur lautstark in Wien mitbegründet, bist mittlerweile aber dort nur mehr im Hintergrund aktiv, weil du deine Zeit nun dem Thema Startups als Business Angel widmest. Wieso der Berufswechsel?

Mein Kollege Christian Köhler und ich haben bereits während unserer Arbeit in der Agentur junge Unternehmer bei der Umsetzung ihrer Ideen beraten, wobei das immer so nebenbei gelaufen ist. Nachdem wir selbst schon in kleinerem Maße an verschiedenen Unternehmen beteiligt waren, kam der Moment in dem wir beschlossen haben, dieses Geschäft nun professionell zu betreiben und Trend Consulting zu gründen.

Mir macht es einfach Spaß andere beim Schritt in die Selbstständigkeit zu unterstützen – das ist das, was mich angetrieben hat, die Agentur in den Hintergrund zu stellen und mich nun vorrangig dem Thema Startups widme.

Mittlerweile betreibe ich gezieltes Deal Sourcing, also ich suche Startups, schaue was können wir ihnen anbieten, welche Deals könnten für uns interessant sein und betreue die Startups, dann wirklich persönlich und mit einer starken Hands-on Mentalität.

Mittlerweile hast du Startups, wie Eversports, crowd-o-moto und Parkbob in deinem Portfolio. Welche Kriterien muss ein Startup erfüllen um für dich als Business Angel interessant zu werden?

Wir legen unseren Fokus besonders auf Early Stage Investments, das heißt wir wählen Startups in der Pre- Seed und Seed Phase aus, weil es gerade hier besonders spannend ist, ihre Entwicklung mitzugestalten.

Auf jeden Fall muss das Geschäftsmodell plausibel sein und das Team die nötigen Kompetenzen bzw. Motivation vorweisen können, weil es gerade in der Go-to-Market Phase nicht sonderlich viel außer dem Team gibt, dass man bewerten könnte. Ich muss auch mit dem Team arbeiten wollen, denn wenn ich mir schon die Nächte um die Ohren haue und mit den Leuten sehr eng zusammenarbeite, muss ich auch ein gutes Gefühl bei der Sache haben.

Und was vielleicht ungewöhnlich ist, aber wir wollen einem Startup nicht nur Geld zur Verfügung stellen und dann hoffen, dass sie was daraus machen, sondern tatsächlich auch unser Know-how einbringen können.

Kann dich ein Startup bei Interesse einfach anrufen?

Ja, klar! Meist suche ich Startups und rufe sie an oder ich habe sie bei einem Pitch gesehen und gefragt ob sie nicht Lust auf eine Zusammenarbeit hätten, aber es kam auch schon vor das mich Startups gefunden und mir eine Anfrage geschickt haben. Warum nicht? Letztlich muss es am Ende auf persönlicher und geschäftlicher Ebene passen. Es muss auf alle Fälle einen Match geben zwischen Investor, Business Angel und Startup.

Netzwerken ist für Startups und Investoren das Um und Auf! Ich mache viele Deals auf Empfehlung meiner Co- Investoren.

Oft entsteht der Eindruck eines ungleichen Kräfteverhältnisses zwischen Startups und Business Angel, was sollten sich Startups dennoch von einem BA erwarten dürfen?

Die Frage lautet, was braucht ein Startup und was erwartet es sich von einem Business Angel. Ist es Geld, ist es Know-how, es gibt verschiedene Business Angel für unterschiedliche Bedürfnisse.  Ich denke, wenn ich was biete, kann ich auch etwas erwarten, aber ich sehe mich als Business Angel grundsätzlich auf der Seite des Teams. Ich möchte ja mit ihnen gemeinsam erfolgreich werden und sitze mit ihnen im Boot, in guten wie in schlechten Zeiten.

Hier würde ich auch eine Grenze zwischen Business Angel und einem klassischen Investor ziehen. Unterschiedliche Verhältnisse – unterschiedliche Erwartungen.

Durch Shows wie 2 Minuten2 Millionen sind einige Investoren einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden. Musst du Eigenwerbung machen um an die besten Deals ranzukommen?

Ursprünglich dachte ich es geht hier nie um mich, sondern nur um das  Startup. Diese Aussage revidiere ich, weil es sehr wohl ein Thema ist welches Standing du als Business Angel hast, damit passende Deals bei dir landen.

Ein anderer Punkt ist, dass es sehr wohl so ist, dass Startups von einer verstärkten  Präsenz meinerseits ebenfalls profitieren.

Was hindert Startups am ehesten am Erfolg?

Da hab ich zum Glück noch nicht so viel Erfahrung. Aber was mich bei meinem Portfolio oft beschäftigt ist das Team. Das Team entwickelt sich in seiner Frühphase von Freunden, die in der Garage gemeinsam angefangen haben, hin zu einer strukturierten Organisation. Hier entstehen oft Reibungspunkte, wie unterschiedliche Zielvorstellungen, und viele Startups schaffen es nicht diese Hürde zu nehmen.

Rechtzeitig für Liquidität zu Sorgen ist immer eine Challenge, aber auch das richtige Geschäftsmodell für dein Produkt ist ein großes Thema, an dem schon Startups gescheitert sind.

Anderes Thema: In Wien gibt es ja schon eine richtige Startup- Szene, also man trifft sich immer wieder auf diversen Veranstaltungen und kennt sich daher. Ist es ein Nachteil für ein Startup,  wenn man eben nicht zum monatlichen Stammtisch geht?

Ich glaube nicht. Ich persönliche gehe selber nur zu sehr wenigen Veranstaltungen, da eben meist dieselben Startups dort sind und man ihre Pitches mittlerweile auch schon kennt. Die Szene, die sehr aktiv ist, da kennt man sich auch ohne sich permanent auf Events zutreffen. Du musst einfach einen Zugang zu dieser Szene finden und gerade das Networking könnte ein Job für einen Business Angel sein.

Meiner Meinung nach sollte ein Startup auch nicht zu viel Zeit darauf verwenden auf jedem Event zu pitchen, da ja eigentlich das Unternehmen und das Produkt in erster Linie vorangebracht werden soll. Zeit und Ressourcen müssen effizient eingesetzt.

Ist es etwas typisch Österreichisches, das jeder jeden kennt bzw. kennen muss um dabei zu sein?

Ich kann nicht gut beurteilen, wie es in anderen Ländern abläuft. Deutschland ist zehnmal größer als Österreich, da kann sich nicht jeder kennen. In München gibt es ähnlich wie in Wien eine wachsende Szene, die sehr vernetzt ist, aber nur wenige haben dort Kontakte in die Szene Berlin. Das heißt, die Hotspots agieren weitgehend unabhängig voneinander.

In den Bundesländern bei uns tut sich auch langsam sehr viel im Bereich Startups, Hotspot ist aber auf jeden Fall noch Wien und da kennt man sich schon untereinander.

Momentan kommt viel Input aus politischer Richtung, hast du ein Anliegen an die Politik?

Ich hab für mich persönlich aufgehört darüber nachzudenken was die Politik für uns tun kann. Ich denke, wenn wir darauf warten,  werden wir früher oder später den Zug verpassen, der da gerade an uns vorbeirauscht und unsere Chancen nicht nutzen. Es gibt noch vieles, was notwendig wäre, wie Steuererleichterungen.

Laut Studien sind Österreicher Gründungsmuffel, daher ist das Thema Gründerland NO 1 ein ziemlich großes Ziel.

Aber mein größtes Anliegen wäre, wenn es die Politik schafft eine positive Stimmung zu erzeugen, wenn es um die Themen Gründung und Selbstständigkeit geht.

Als ich in die USA gereist bin, war ich begeistert vom Stolz der Amerikaner Unternehmer zu sein und auch von der positiven Resonanz, wenn jemand sich selbstständig macht und etwas Eigenes aufbaut. In Österreich wird man noch skeptisch beäugt, was ich schade finde, weil es eine reine Einstellungssache ist.

Aus einer persönlichen Erfahrung heraus, was es bedeutet mit seinem Projekt an äußeren Umständen zu scheitern,  beschloss Martin Egger seine Erfahrungen weiterzugeben und seine Netzwerke zu nutzen um andere Gründer bei der Verwirklichung ihrer Ideen zu unterstützen.

Martin Egger gründet gemeinsam mit Christian Köhler 2003 die Agentur lautstark communications vienna, seit 2005 konzentriert sich Egger als Business Angel mit Trend Consulting  auf die Beratung und Unterstützung von Startups durch Investitionen, Know-how und sein Netzwerk.