Interview mit baningo

(c) baningo

Banken – ein Rätsel, dessen Lösung sich mir leider nicht ergibt. Eigentlich suche ich gerne nach neuen Produkten oder Lösungen, die einem den Alltag erleichtern, aber was Banken betrifft bin ich wohl ein Gewohnheitstier. Möglicherweise liegt es auch daran, dass ich nach den meisten Beratungsgesprächen viel verwirrter bin als ich es zuvor war und es mir daher oft zu blöd ist mich mit Angeboten zu beschäftigen und Vergleiche anzustellen.

Im Interview mit Harald Meinl und Max Nedjelik erzählen uns die Gründer des FinTech-Startup baningo, warum SmartBanking-Aktivitäten die Zukunft sind und ihr Startup einem das Leben erleichtert.

Worum handelt es sich bei baningo in zwei Sätzen?

Baningo vermittelt Bankberater an Privatpersonen und verkürzt so die nervenaufreibende Suche nach dem passenden Betreuer. Gleichzeitig wird dem User ein rascher Überblick über die verschiedenen Berater- und Bankenleistungen in den Bereichen “Finanzierung und Kredite”, “Veranlagung und Vorsorge”, “Konto und Zahlungsverkehr“ sowie “Firmenkunden und freie Berufe” ermöglicht.

Warum sollte man als Kunde gerade baningo verwenden?

Aus vielen Branchen ist man es gewohnt, vor einem Geschäftsabschluss erstmals im Internet zu recherchieren und zu vergleichen. Bei komplexen Themen wie Wertpapiere, Pensionsvorsorge oder Wohnkredite helfen Vergleichsportale aber auch nicht weiter. Menschen wollen und brauchen Beratung.

Bevor es nun baningo gab, ist man von Bank zu Bank gelaufen, hat jedes Mal seine Bedürfnisse wiedergegeben und sich dann die Präsentation der Produktpalette gegeben. All das entspricht nicht mehr dem 21. Jahrhundert, daher setzt genau an diesem Punkt baningo an. Wir versuchen für User Bankberatungsgespräche so angenehm und effektiv wie möglich zu gestalten, so dass sie sich am Ende informiert fühlen und sich sogar bevorzugt mit dem Thema weiterbeschäftigen.

Mit Baningo behält der Kunde das Steuer in der Hand und kann entscheiden mit welcher Bank und welchem Berater er Kontakt haben will und welchen Service er nutzen möchte. So werden auch die Bedürfnisse unserer Privatkunden gezielter und effizienter befriedigt. Das ist ein klassisches Feedback das wir von unseren Usern bekommen.

Welchen Vorteil erzielen Banken durch baningo?

Viele Banken arbeiten intensiv an kostspieligen Modernisierungsprozessen, nur ist es schwierig das klassische Filialnetz zu digitalisieren. Den Banken muss jedoch bewusster werden, dass gerade ein Wandel stattfindet, sonst werden sie von der Konkurrenz überrollt.

Baningo bietet Banken einfach eine wirklich gute Lösung an. Durch baningo sind Bankberater nicht mehr nur an die Filiale gebunden und können Kunden jederzeit rasch und einfach betreuen. Gleichzeitig übernimmt baningo einen Teil der Kundenakquise. Wir generieren für Banken im Prinzip Leads frei Haus.

Wie sieht euer Finanzierungsmodell aus?

Wir verkaufen an die Banken fixe Slots für ihre Berater. Für unsere Kunden ist die Verwendung von baningo kostenfrei. Aus diesem Grund beziehen wir auch keine Provision für abgeschlossene Geschäfte. Dieser Punkt war uns sehr wichtig, da in der Finanzbranche das System der provsionsabhängigen Marge schon seit Jahrzenten gelebt wird und im Endeffekt der Kunde immer drauf zahlt.

Transparenz hat ebenfalls einen hohen Stellenwert. Der Betreuer, der einem vorgeschlagen wird, hat keine bezahlte Positionierung, sondern ist derjenige, der am besten der Suchanfrage entspricht.

Wer steht denn genau hinter baningo bzw. wie habt ihr euch als Team gefunden?

Max und ich waren Arbeitskollegen bei der Erste Bank und haben uns 2012 beim Traineeprogramm, das Max damals geführt hat, kennengelernt. Auch nach der Erste Bank sind wir in Kontakt geblieben und irgendwann kam uns die Idee zu baningo. Ehrlich gesagt waren wir überrascht, dass es so ein Service noch nicht gab.

War es denn schon immer ein Traum von euch sich selbständig zu machen?

Ich hatte schon immer den Traum mich selbständig zu machen, habe es dann aber aus irgendeinem Grund anfangs doch nicht gemacht. Man braucht eine Idee und mein Gedanke war, die wird schon irgendwann mal auftauchen. Nach der Erste Bank war ich in einem großem Unternehmen angestellt, das eine Finanzholding aufgebaut hat. Im Probemonat habe ich jedoch gleich gekündigt, nachdem ich mich die meiste Zeit gefragt habe, was ich hier eigentlich mache – das ist ein schreckliches Gefühl! Als nächstes habe ich bei Startups gejobbt. Ein Studienkollege hat ebenfalls ein Startup gegründet, so konnte ich mich einmal einarbeiten und in die Szene eintauchen. Von dieser Erfahrung haben wir anfangs sehr profitiert.

Max hat nach der Bank kurz im Management eines ehemaligen Firmenkunden gearbeitet. Aber man kann auch bei ihm sagen, dass die Selbstständigkeit immer sein Ziel war.

Was würdest du sagen, waren die größten Anfangshürden beim Gründen?

Gründen ist sauteuer! Wir sind jetzt eine GmbH und haben uns von Anfang an über Bootstrapping finanziert. Von Anfang Jänner 2015 bis zur Gründung haben wir im Endeffekt genau so viel Geld gebraucht wie zur formalen Gründung selbst, das ist Wahnsinn!

Hürden sind einerseits der finanzielle Aspekt und andererseits die unnötigen Rennereien. Die Zeit, die man mit irgendwelchen Behördenwegen verschwendet, bei denen man auch noch physisch anwesend sein muss, ist unglaublich! Und das im 21.Jahrhundert.

Wir haben beide in einer Bank gearbeitet, Max hat sogar BWL studiert. Wir haben uns daher mit den Rechtsformen ausgekannt und hatten dennoch unsere Probleme. Jetzt stellt euch mal vor, wie schlimm es ist, wenn man kein Vorwissen besitzt. Es ist einfach viel zu kompliziert in Österreich! In anderen Ländern sind ähnliche Rechtsformen, wie die GmbH, viel einfacher zu gründen.

Letzte Frage, eure Tipps für andere Startups?

Auf jeden Fall einen Techniker im Team zu haben und nicht auszulagern, das war eine sehr gute und wichtige Entscheidung. Auf das Team sollte insgesamt ein großer gelegt werden – möglichst heterogen mit unterschiedlichen Kompetenzen und Stärken.

Außerdem darf man nicht schüchtern sein – raus gehen und Networking lautet die Devise. Der Austausch mit anderen Leuten ist essentiell!

Es schadet sicher auch nicht, einmal ein paar Monate in einem andern Startup gearbeitet zu haben um ein Gefühl für die Eigenheiten eines Startups zu bekommen.

Und auf jeden Fall: Lasst euch nicht verunsichern! Feedback ist wichtig, aber es gibt immer negative und kritische Meinungen. Davon aber nicht beirren lassen, sondern die Kritik einfach bewusst einsetzen.