Interaktiver Messenger-Bot Artemis als persönlicher Kunst-Experte

© Artemis

Die Kunst-Szene schreibt sich selber oft ein revolutionäres, innovatives Image auf die Fahnen, kann mit dem Thema Digitalisierung jedoch noch nicht viel anfangen – zumindest was Museen und Ausstellungen betrifft. Dieser Aspekt störte auch Software-Entwicklerin Pamina Georgiou während eines Museumsbesuchs, woraufhin die Idee zu “Artemis” entstand. Ein Messenger-Bot, hinter dem eine künstliche Intelligenz steht und der die Kunstwelt revolutionieren soll.

Das Konzept ist simpel, aber effektiv: Museumsbesucher schießen ein Foto des Kunstwerkes und schicken dieses direkt über den Facebook-Messenger an Artemis. Die künstliche Intelligenz, der eine komplexe, selbstlernende Bilderkennungssoftware zu Grunde liegt, schickt dann innerhalb von Sekundenbruchteilen Hintergrundinformation zum Kunstwerk zurück.

Artemis- Entwicklerin Pamina Georgiou im Interview mit startablish:

Wie bist du auf den Namen Artemis gekommen?

In der griechischen Mythologie ist Artemis die Göttin der Jagd, ein weiblicher Charakter. Ich sehe Artemis als eine freche, verspielte, junge Frau, die Kunstgeschichte bei Tag studiert und in der Nacht auf die Jagd nach Kunstwerken geht – sozusagen der Robin Hood der Kunstszene und gleichzeitig Vorbild für Frauen.
Frauen sind im Bereich Software- Development leider stark in der Minderheit und haben dann auch oft noch zu wenig Selbstvertrauen, um sich zu behaupten. Ich persönlich kann mich glücklich schätzen, in meinem Umfeld so viel Unterstützungen zu bekommen, die ich nun natürlich auch weitergeben möchte. Daher sollen bei Artemis auch primär Frauen eingestellt werden.

Unter “Artificial Intelligence” können sich noch wenige Leute etwas Konkretes vorstellen. Wie funktioniert Artemis genau?

Im Gegensatz zur herkömmlichen Programmierung, wo man als Entwicklerin den Weg vom Input bis zur Lösung des Problems selbst definiert, löst Artificial Intelligence Probleme nicht anhand einer step-by-step Anleitung, sondern versucht mittels des ihr verfügbaren Wissens eine optimale Lösung für das Problem zu finden. Der Begriff selbst ist allerdings ein Überbegriff für verschiedenste Arten von Systemen und Logiken die sich sozusagen “intelligent” verhalten, daher auch schwer zu definieren. Bei Artemis konkret handelt es sich um eine trainierte Bilderkennungssoftware, die mit verschiedenen kunstspezifischen Datenbanken verknüpft ist.

Wieso hast du dich bewusst gegen eine App und für Chatbots entschieden?

Da der Facebook- Messenger für die meisten kaum eine Barriere darstellt, weil weder zusätzliches Herunterladen noch Installieren nötig ist, habe ich mich für ihn entschieden. Gerade im Museum möchte ich mich nicht lange mit Downloads herumschlagen. Durch den Messenger kann ich sehr leicht eine große Menge an Menschen erreichen und Kunst leichter verfügbar machen.

Die Kombination aus Facebook Page und Messenger ist zudem eine optimale Plattform für mich um die Inhalte zu inszenieren, die ich verbreiten möchte. Auf Artemis zum Beispiel nütze ich die Facebook Page zurzeit, um spannende Kunst und Ausstellungen zu zeigen. Zudem sehe ich mich gerade auch nach anderen Plattformen um. Wechat ist im Kunst- und Kulturbereich äußerst spannend, da Europa eine steigende Anzahl an chinesischen und generell asiatischen Touristen verzeichnet. Wechat erlaubt es mir noch mehr Menschen auf internationaler Ebene zu erreichen.

Du arbeitest derzeit auch an Artnapper, der zukünftigen Firma und Plattform hinter Artemis, wie kam es zu dieser Idee?

Kunst liegt mir einfach am Herzen. Umso schöner ist es jetzt, dass ich Informatik und Kunst – meine beiden Leidenschaften – vereinen kann. Ins Museum gehen beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue und ich möchte diese Erfahrung leichter mit anderen teilen und sie für jedermann und jederfrau zugänglicher gestalten. Das Ziel ist es gemeinsam mit Museen eine neue Realität der Kunstvermittlung zu kreieren. Im Kern geht es mir dabei immer darum, Kunst zugänglicher zu machen. Das ist mein grundsätzliches Anliegen. Mit artnapper als Plattform kann ich die Kunstszene mehr in diese Richtung bewegen und diese Realität gestalten.

Artemis- Gründerin Pamina Georgiou | © Karin Lachmann
Artemis- Gründerin Pamina Georgiou | © Karin Lachmann

Artemis ist das erste Produkt, das aus der Plattform Artnapper hervorgeht, an der die Entwicklern Pamina Georgiou seit September arbeitet. Damals noch als Teil des Wiener Inkubator Lemmings.io, dessen Schwerpunkt auf Artificial Intelligence und Chatbots liegt, heute ist sie selbst dort als Mentorin aktiv.

Ziel und Vision von Gründerin Georgiou ist es, die Art und Weise, wie Menschen mit Kunst interagieren, zu verändern und den interaktiven Bot als Ersatz zum Audio-Guides zu etablieren. Daher arbeitet sie ebenfalls an einer b2b- Plattforum, um letztlich Museen und Kunstinstitutionen die Möglichkeit zu geben künftig per Plug-and-Play-System eigene Artemis-Bots erstellen zu können. Um den Einsatz noch attraktiver zu machen, ermöglicht es Artemis den User zusätzlich die fotografierten Kunstwerke als Erinnerungen in einem Fotoalbum zu speichern und das Kunsterlebnis selbst somit zu verlängern. Der Besucher nimmt seine Lieblingsstücke quasi nach Hause mit und das Museum selber kann mit seinen Besuchern weiterhin in Kontakt bleiben.

Seit dem offiziellen Launch auf Product Hunt verzeichnet Artemis einen User-Growth von über zweihundert Prozent.