Samu: In 30 Tagen von der Idee zum MVP zum ersten zahlenden Kunden

(c) Samu

Gastartikel von Valentin Scholz, Gründer von Samu:

“Du und ich und auch sonst keiner kann so hart zuschlagen wie das Leben! Aber der Punkt ist nicht der, wie hart einer zuschlagen kann. Es zählt bloß, wieviele Schläge er einstecken kann und ob er trotzdem weitermacht. Wieviel man einstecken kann und trotzdem weitermacht. Nur so gewinnt man!”
– Rocky Balboa

Ich hab mehrere Startups in der Vergangenheit gegründet und ich habe wohl alles falsch gemacht, dass man falsch machen kann. Aber ich habe so viel aus meinen Fehlern und auch aus einer großartigen Community, die mir vom ersten Tag an geholfen hat, gelernt. Leute die ich davor nie getroffen habe und von Startups die ich davor nicht kannte. Sie alle haben meine Fragen mit Geduld beantwortet, mich mit den richtigen Leuten vernetzt und alles getan damit ich mit meinen Projekten erfolgreich bin — und all das ohne jemals etwas als Gegenleistung verlangt zu haben.

Dies ist der Grund wieso wir, das sind Moritz und ich, Samu komplett transparent und offen halten. Wir werden teilen was für uns funktioniert hat und was für uns nicht funktioniert hat um anderen Gründern zu helfen ihre Träume zu realisieren.

Wie ich auf die Idee gekommen bin

Eine Startup-Idee zu finden ist niemals einfach, trotzdem würde ich dir folgenden Rat geben: versuche ein Problem zu lösen, dass du selbst täglich hast aber noch keine Lösung dafür gefunden hast.

Für mich war dieses Problem immer schon meine Aufgaben zu verwalten.

Ich habe so viele verschiedene Programme über die letzten 10 Jahre ausprobiert, aber keine davon hat sich richtig angefühlt. Ich hab fast immer den Fokus verloren, was darin endete dass ich mich weniger produktiv gefühlt habe als ohne Task Management Lösung.

„Was wichtig ist, ist selten dringend und was dringend ist, ist selten wichtig“
– Dwight D. Eisenhower

Als ich darüber nachdachte wie man dieses Problem lösen könnte, erinnerte ich mich an etwas das ich während meiner Schulzeit gelernt habe. Die Eisenhower Matrix, eine Zeit Management Methode die Präsidenten, Führungskräfte und berühmte Persönlichkeiten verwenden. Ich habe mich sofort in die Idee verliebt. Sie ist simpel, in einer Niche mit wenig Konkurrenz und trotzdem auf der ganzen Welt bekannt.

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Die Validierung meiner Annahme

Ich baute eineinhalb Jahre an einem Startup und im Endeffekt ist es gescheitert. Ich habe viele Fehler gemacht, aber zu die Bedürfnisse von anderen Personen zu wissen war sicherlich der Größte. Wir haben ein beindruckendes Stück Technologie gebaut, aber die Leute hatten einfach keinen Bedarf dafür.

Am Ende dieser Periode wurde mir der Lean Startup Methode von Eric Ries vorgestellt. Ich war sofort fasziniert, vor allem nach dem ich herausfand das Buffer — einem Startup dem ich seit Jahren folge — die selbe Methode verwendet um ihr Unternehmen zu bauen. Joel, der Gründer von Buffer, hat sogar eine Methode entwickelt um zu validieren ob Personen bereit sind für ein Produkt Geld zu bezahlen dass noch nicht existiert.

“Samu is a way to bring mindfulness into everyday life as well as to get things done.”
– Wikipedia

Inspiriert von Joel’s Herangehensweise habe ich mein Produkt Samu genannt, da ich die Bedeutung mochte, und habe mir die Domain samuapp.com gesichert. Die Webseite bestand aus zwei Seiten: die Startseite, die das Produkt erklärte und einer Seite welche die Abos und Preise erklärte. Wenn der Besucher sich registrieren wollte, kam ein Dialog der nach seiner Email Adresse fragte.

Die komplette Webseite war in weniger als 5 Stunden online.

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Endlich kam der Zeitpunkt um meine Annahme zu testen. Ich habe über Samu in ein paar Facebook-Gruppen geschrieben und ein paar Mal darüber getweeted. Das reichte um knapp 500 Besucher auf meine Webseite zu locken, wovon 93 Personen versucht haben sich zu registrieren. Noch interessanter war, dass 10 Personen ihre Email Adresse angegeben haben obwohl die Seite Ihnen erklärte dass das Produkt noch gar nicht existiert.

Dies war die Validierung meiner Annahme. Es gab Personen die an meinem Produkt Interesse hatten und bereit waren dafür Geld zu bezahlen. Ein voller Erfolg auch auf persönlicher Ebene. Statt meine Zeit damit zu verbringen ein Produkt zu entwickeln das vielleicht Leute wollen, konnte ich ein Produkt mit den Personen bauen die dafür bereit waren zu bezahlen.

Wie ich meinen Co-Founder fand

Ich habe schnell realisiert, dass meine Fähigkeiten in der Entwicklung nicht ausreichen um dieses Produkt zu bauen. Ich hatte zwar einen Prototypen entwickelt, aber den konnte man nicht verkaufen. Ich weiß, dass viele Leute sagen das man sich für die erste Version schämen sollte, aber ich bin nicht der Meinung dass dies 2016 noch zu 100% stimmt. Die Welt hat sich verändert, die Leute sind ausgezeichnete Designs gewöhnt und es gibt deutlich mehr Konkurrenz als noch vor 5 oder 10 Jahren.

Ich brauchte also einen technischen Mitgründer. Jemand der viel Erfahrung in der Entwicklung von Web Applikationen hatte, aber auch der sich wirtschaftlich ein wenig auskennt. Aber wie findet man so jemanden?

Am Ende ist es oft Glück, dass man zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Es hilft aber definitiv wenn man ein großes Netzwerk zu haben; man könnte meinen man kann dadurch das Glück erzwingen.

Ich habe Moritz kennengelernt als ich noch bei den Socialisten gearbeitet habe. Er ist der beste Freund meines damaligen CTOs und half uns im letzten Sommer als Freelancer bei einem unserer Projekte. Von Anfang an war ich von seinen Fähigkeiten und seinem Verlangen großartige Produkte zu entwicklen begeistert.

Ich habe ihm meine Idee erklärt und auch wie ich sie validiert habe. Ich zeigte ihm meine Entwürfe und den Prototypen den ich gebaut habe. Obwohl er die Einfachheit der Idee mochte, war es im Endeffekt seine Freundin die ihn überzeugen konnte. Sie ist begeistert von der Eisenhower Matrix und erzählte ihm, dass sie diese Methode schon jahrelang in ihrer Arbeit verwendet.

Die Entwicklung des MVP & der erste zahlende Kunde

Eines der Hauptprinzipien der Lean Startup Methode ist statt härter, intelligenter zu arbeiten. Statt Monate damit zu verbringen ein Produkt mit hunderten Features zu entwicklen, haben wir uns für ein Minimum Viable Product (MVP) entschieden dass innerhalb von 30 Tagen gebaut werden kann.

Die Validierung unserer Idee hatte noch weitere Vorteile. Wir konnten Kunden-Feedback während der Entwicklung des MVPs erhalten. Dies war extrem hilfreich und stellte sicher, dass wir ein Produkt bauen das genau den Bedürfnissen unserer Kunden entspricht. Außerdem half es uns ein sehr stabiles Produkt zu veröffentlichen, da unsere Nutzer extrem schnell waren etwaige Bugs zu finden.

Nach exakt 24 Tagen konnten wir Samu der breiten Öffentlichkeit vorstellen. Es fühlte sich großartig an. Und noch besser, wir konnten unseren ersten zahlenden Kunden nach nur zwei Tagen willkommen heißen.