Interview mit Gatherer

(c) gatherer

Die Startup-Szene hat vor kurzem Zuwachs bekommen. Ein kreatives Team an JungunternehmerInnen hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Alltag der UserInnen erheblich zu erleichtern.

 

Der Zuwachs nennt sich gatherer und ist viel mehr als ein Kalender. Gebündelt in einer App, kann man nicht nur seinen persönlichen Terminplaner innovativ gestalten, sondern auch online mit Freunden oder Kollegen Termine abstimmen. Gemeinsam kann man auch durch die Erstellung eines gatherer-Events nun noch einfacher Veranstaltungen planen oder Meetings koordinieren.

Gatherer erschließt somit neue Dimensionen der Flexibilität bezüglich Terminen. Wir haben mit den kreativen Köpfen hinter der Idee gesprochen.

Keine Schule der Welt kann einen auf alles vorbereiten. Man muss ins kalte Wasser springen und sehen was das Leben für einen bereit hält und jede Herausforderung annehmen.

Was ist gatherer?

Gatherer unterstützt beim Verabreden mit Freunden oder Kollegen und ist eine App für iOS, Android und Windows Phone.

Wie ist eure Idee entstanden?

Desiree wollte zusammen mit ihren Freundinnen zum Oktoberfest nach München fahren was in einem Chaos endete. Nicht nur, dass über Terminvorschläge auf Facebook und Whatsapp diskutiert wurde und Desi auch noch Freundinnen auf dem Laufenden halten musste, die nicht auf diesen Plattformen vertreten waren. Es wurde natürlich auch über die Farbe des Dirndls diskutiert wodurch das Termin-Finden wieder unterging. Also fasste sie den Entschluss das Ganze besser zu machen. Sie erzählte mir daraufhin ihr Vorhaben und so starteten wir im Rahmen unseres Master-Studiums an der FH St. Pölten das Projekt “gatherer”.

War es schon immer ein Traum von euch Selbständig zu werden?

Desiree und ich haben beide an einer Handelsakademie die Reifeprüfung abgelegt, wo es natürlich schon immer in Richtung Selbständigkeit ging. Bis vor kurzem aber waren wir noch der festen Überzeugung niemals selbst ein Unternehmen gründen zu wollen. Unser Studium führte uns natürlich eher in die technische Richtung und wir hatten das Ziel Apps zu programmieren. Dass daraus dann mehr werden würde und wir selbst Chefs eines Unternehmens sein würden, das hätten wir uns nie gedacht. Vor allem hätten wir uns nie gedacht, dass dieser Schritt in Richtung Selbständigkeit auch so viel Spaß machen kann.

Was habt ihr gearbeitet/studiert bevor euch die Idee zu eurem Startup gekommen ist?

Ein Teil von uns stammt von Handelsakademien, der Rest von unserem Team hat an einer HTL maturiert. Getroffen haben wir uns alle 2010 an der FH St. Pölten, wo wir Medientechnik mit der Vertiefung “Interaktive Medien” abgeschlossen haben. Anschließend haben wir den Master “Digitale Medientechnologien” gemacht und dort die Vertiefung “Mobiles Internet” gewählt. Im Rahmen der Vertiefung ist auch gatherer entstanden.

Ich selbst bin seit 2 Jahren bei Zoomsquare tätig. Auch Desiree hat eine Zeit lang dort als Front-End-Entwicklerin gearbeitet und ist derzeit selbständig als iOS-Entwicklerin tätig. Thomas, unser Entwickler für die mobilen Windows Phones ist auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FH St. Pölten beim ICMT tätig. Aleksandar., unser Mann für das Back-End, war ebenfalls in dem Startup IKANGAI als Entwickler tätig und ist derzeit ebenfalls Selbständig. Mike, der die Android-App entwickelt, ist als Freelancer in einer Kommunikationsagentur tätig. Man sieht also, dass wir neben dem Studium und gatherer auch noch arbeiten, um uns und das Projekt finanzieren zu können.

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Gab es beim Gründen oder in der Anfangsphase irgendwelche Probleme? Wenn ja, wie habt ihr diese gemeistert?

Probleme im eigentlich Sinn hatten wir bislang glaube ich nicht wirklich. Woran es uns allerdings mangelt ist einerseits Zeit und andererseits Geld. Zu Beginn haben wir nur an die App gedacht, Konzepte entwickelt, designed und programmiert. Doch je mehr aus einem Studentenprojekt ein Unternehmen wurde desto mehr Themen und Fragen kamen auf uns zu. Neben der Programmierarbeit sahen wir uns mit Businessplänen, Finanzplänen, Förderanträgen, Term Sheets, One-Pagern, Pitchdecks und Events konfrontiert . Dadurch konnten wir natürlich nicht mehr so schnell entwickeln und wir mussten die eine oder andere Priorität setzen. Glücklicherweise sind wir ein 5-köpfiges Team und können uns dadurch die Arbeit gut aufteilen. Jeder hat neben der Programmierarbeit auch noch andere Spezialgebiete, die er übernimmt. So ist Mike nicht nur der Android-Entwickler sondern auch noch unser hauseigener Finanzminister. 😀

Wie habt ihr euch finanziert?

Derzeit sind wir noch auf der Suche nach Kapitalgebern. Bislang konnten wir aber schon den Gründerservice Accent von uns überzeugen und wurden auch kürzlich in den Inkubator aufgenommen. Ein bisschen Kapital haben wir auch von einigen Awards bekommen und uns davon beispielsweise Visitenkarten oder Sticker kaufen können.

Hattet ihr professionelle Hilfe von Dritten, wenn ja in welchen Bereichen und wie hat diese Hilfe ausgeschaut?

Vor einem Jahr hat die FH St. Pölten zusammen mit Accent den Creative Pre-Incubator gestartet. Dort haben wir uns zusammen mit 8 anderen Projekten beworben und wurden aufgenommen. Drei Teams haben dann ein Jahr lang an Workshops zu diversen Themen wie IP Strategie, Business Modeling oder Pitching teilnehmen dürfen.

Im Februar diesen Jahres haben Desiree und ich, auf einer Veranstaltung im Sektor5, Daniel Tran von Austrian Startups kennen gelernt. Seitdem begleitet er uns und steht immer mit Rat und Tat zur Seite.

Auch Christoph Richter von Zoomsquare hilft uns bei Themen wie Term Sheets und anderen Fragen durch seine Erfahrungen, die er schon gemacht hat.

Wie lange hat es gedauert, bis ihr kostendeckend wirtschaften konntet?

Derzeit machen wir noch keinen Umsatz. Wir aberbeiten aber noch an der B2C App, die im Herbst für alle Plattformen im deutschsprachigen Raum gratis zur Verfügung stehen soll. Dies ist die Basis für unsere B2B Lösung, mit der wir dann Umsatz machen werden. Gatherer soll dann 2016 als SDK für andere Unternehmen zur Verfügung stehen. Beispielsweise kann eine Kinokette dann nicht nur Tickets verkaufen, sondern auch gatherer integrieren und seinen Kunden es ermöglichen Freunde zu fragen, wann sie denn ins Kino gehen wollen. Da wir aus einer Umfrage, die wir zu Beginn durchgeführt haben, wissen, dass Leute oft gar nichts unternommen haben weil sie keinen Termin gefunden haben versprechen wir uns davon dann natürlich mehr Ticketverkäufe.

Wie hat zur Gründungszeit eure Work-Life-Balance ausgeschaut und wie schaut sie jetzt aus? Gab es dabei irgendwelche Abstriche?

Dadurch, dass wir alle nebenbei noch arbeiten und Diplomarbeiten schreiben müssen, fließt jede freie Minute, die übrig bleibt, in gatherer. Es hat Zeiten gegeben, an denen ich nur zum Duschen und Schlafen zu Hause war, weil ich nach der Arbeit gleich zu einem Event oder Meeting gefahren bin und dort dann nach Mitternacht erst wieder weg. Und das jeden Tag. Weil der Körper das auf Dauer aber nicht mitmacht, mussten wir die Besuche auf Events oder die Meetings reduzieren. Derzeit ist es bei uns auch sehr stressig, da wir kurz vor dem Launch stehen und noch schnell die letzten Features von gatherer fertig entwickeln und testen. Wir versuchen aber dennoch Raum für Freizeit zu lassen und gehen dann am Abend mal gemütlich essen. Auch versuchen wir uns gegenseitig unter die Arme zu greifen. Falls jemand mal wo nicht weiterkommt, setzen wir uns zusammen und versuchen das Problem gemeinsam zu lösen.

Hat sich das Business Model im Laufe der Zeit verändert und wenn ja, wie hat es sich verändert?

Unseren ersten Businessplan haben wir im Rahmen des Studiums geschrieben. Damals war noch gar keine Rede von dem B2B Business Model. Wir haben verschiedene B2C Modelle durchgerechnet mit einer Premium App, In App-Purchases oder Werbung. Aber der Finanzplan hat dann immer alles andere als rosig ausgesehen. Auch haben wir uns die Trends für Premium Käufe bei Apps näher angeschaut und dann war schon klar, dass das so nicht funktionieren kann. Also mussten wir uns was anderes überlegen und haben dann zusammen mit Daniel unser derzeitiges Business Model entwickelt.

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Wie sehen eure Zukunftspläne für gatherer aus?

Meilenstein #1 ist jetzt natürlich der Launch. Damit hätten wir dann einen riesigen Brocken geschafft. Alles andere ist dann die Zugabe. Gatherer ist jetzt schon weit mehr als wir uns je erhofft haben. Aber natürlich denken wir auch noch weiter und träumen davon das nächste Unicorn zu sein. Unser nächster Schritt wird es sein, zusammen mit unseren ersten Kunden das SDK zu entwickeln. Die B2C App wird nächsten Jahr auch weltweit verfügbar sein. Von der Business-Seite her soll dann auch noch ein Business Angel an Board kommen, der es uns ermöglichen soll mit vollem Speed an gatherer arbeiten zu können.

Wenn alles gut geht, wird gatherer im nächsten Jahr schon auf vielen Smartphones installiert und in einigen anderen Apps integriert worden sein. Wir haben auch noch einige coole Features in der Schublade, die nur darauf warten umgesetzt zu werden. Das herrschende Terminchaos wird dann sicher kein Chaos mehr sein.

Was würdet ihr im Nachhinein anders machen und welche Tipps würdet ihr neuen Startups mitgeben, die sie beachten sollten?

Ich glaube anders machen würden wir nichts. Denn selbst wenn einmal etwas nicht ganz so geklappt hat wie geplant, haben wir ja daraus gelernt und konnten uns dadurch erweitern und weiterentwickeln.

Gerade in der Anfangszeit war es für uns besonders wichtig mit vielen Leuten wie möglich zu sprechen. Wir haben dadurch viele hilfreiche Tipps erhalten, neue Leute kennen gelernt und konnten so nach und nach ein Netzwerk aufbauen und richtig in die Startup-Szene hineinwachsen. Noch vor ein paar Monaten waren wir dort gar nicht vertreten und wussten auch gar nicht, dass ein Hansi Hansmann oder eine Selma Prodanovic überhaupt existieren, geschweige denn was ein Venture Capital Fond, OnePager, ein Pitchdeck und ein Term Sheet ist.

Keine Schule der Welt kann einen auf alles vorbereiten. Man muss ins kalte Wasser springen und sehen was das Leben für einen bereit hält und jede Herausforderung annehmen.

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