Female Founders weiß, was Gründerinnen brauchen

© Wissenstransferzentrum Ost/ Female Founders

Knapp 10 Prozent der Startups in Österreich werden von Frauen gegründet. Zu wenig sagen Female Founders zu Recht. Welche Gründe das hat und was (angehende) Gründerinnen sich wünschen, diesen Fragen sind das Wissenstransferzentrums Ost gemeinsam mit Female Founders im Austrian University Female Founders Report 2016 nachgegangen, der Anfang der Woche präsentiert wurde.

Für die Studie wurden insgesamt 200 Gründerinnen und solche, die es werden wollen, gefragt, wie sie die heimische Startup-Szene bewerten und in welchen Bereichen sie Handlungsbedarf sehen, um den Weg in die Selbstständigkeit für Frauen attraktiver und einfacher zu machen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Befragten sich neben einer verstärkten Vermittlung von Know-how hinsichtlich betriebswirtschaftlicher und rechtlicher Grundlagen sowie Soft Skills, auch einen stärkeren Rückhalt in der Startup-Community wünschen. Das heißt, auch ein Plus an Vernetzung und gegenseitiger Unterstützung unter Gründerinnen. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Gründung spielt für viele eine große Rolle.

Gender Gap – gründen Männer öfter, schneller und besser?

56 Prozent der Befragten erkennen einen klaren Unterschied zwischen einer männlichen und einer weiblichen Herangehensweise an das Thema Gründen. Männer seien selbstbewusster, entschlussfreudiger und risikobereiter. Auch beim Thema Investments sehen sich 19 Prozent der Frauen benachteiligt bzw. müssen härter für Unterstützung kämpfen.

Der geringe Frauenanteil in der Gründungsszene wird von der Mehrheit der Befragten auf gesellschaftliche und kulturelle Faktoren zurückgeführt. Entrepreneurship sei auch im Jahr 2016 noch männlich konnotiert, weshalb Frauen sich mehr Bewusstseinsbildung bei Männern und Frauen wünschen, um traditionelle Rollenbilder und Sozialisationsmuster aufzubrechen und gleiche Bedingungen für alle zu schaffen. Eine Anregung, die auch Female Founders in ihrem CALL TO ACTION aufnehmen und Maßnahmen vorstellen, wie man bereits bei Schülerinnen Awareness für das Thema Selbstständigkeit schaffen und auch eine zeitgemäße und zielgruppengerechte Darstellung der Lebensrealität von Gründerinnen vermitteln kann.

Role Models für Gründerinnen gesucht

Die größten Hürden für 59 Prozent der angehenden Gründerinnen sind die noch fehlenden finanziellen Mittel, 45 Prozent fehlt es vor allem an Mut, dagegen haben knapp 35 Prozent das Gefühl zu wenig Know-how oder Erfahrung mitzubringen. Eine Möglichkeit dem entgegenzuwirken ist mehr Role Models für Gründerinnen vor den Vorhang zu holen und auch hier direkte Kontakt- sowie Vernetzungsmöglichkeiten zu schaffen.

Eine Gruppe an solcher Role Models diskutierte am Montag im Rahmen der Veröffentlichung des Reports und bewies dabei, dass es keineswegs an Vorbildern fehle, nur diese leider noch zu wenig öffentlich präsent seien.  Der gemeinsame Tenor: Frauen müssen im Gründen positiv bestärkt werden und dürfen sich nicht selber in weibliche Rollenklischees zwängen.

Selma Prodanovic, Business Angelina und Gründerin, bestärkte Gründerinnen in ihrem Tun und ermutigte sie zu mehr Selbstbewusstsein und Hands-on Mentalität: „Ich bin leidenschaftliche Unternehmerin. Sich selbstständig zu machen war die beste Entscheidung, denn trotz Hürden, ist es so viel besser und schöner geworden, als ich es mir je vorgestellt habe. Man muss nur den ersten Schritt wagen und es ausprobieren!”

Selma Prodanovic ist zudem Mitglied von Investorinnen.com, einer Plattform zum Austausch rund um die Themen Female Investments und Unternehmerinnen im 21.Jahrhundert. Ziele sind ein verstärktes Bewusstsein in der Community zu schaffen und die Etablierung weiblicher Rollenvorbilder in der Öffentlichkeit zu fördern.

Gabriele Tatzberger von der Wirtschaftsagentur Wien, betonte die Wichtigkeit Maßnahmen rund um Female Entrepreneurship nicht nur auf Frauen zu fokussieren, sondern sehr wohl auch Männer in die Diskussion miteinzubeziehen. Ein Aspekt den auch Female Founders hervorhebt und in ihrem Visionspapier die Vorteile von Diversität, also der Kombination weiblicher und männlicher Gründungsmitglieder zur Bildung ausgewogener, komplementärer Teams, in den Vordergrund stellt. Die Wirtschaftsagentur Wien setzt bereits Anreize, um das Gründen für Frauen attraktiver zu machen.

„Immer mehr Frauen wagen den Schritt in die Unternehmensgründung – eine überaus positive Entwicklung. Es gibt aber noch Luft nach oben und genau dort setzt die Wirtschaftsagentur Wien mit ihren Angeboten an. Im Fokus steht klar die Sichtbarmachung und Unterstützung von Frauen als Unternehmerinnen besonders in den technologischen Branchen. Mit speziellen Initiativen und Veranstaltungen für junge Frauen und Mädchen wollen wir unternehmerisches Interesse schon früh wecken und Technik- und IT-Talente stärken.“ so Tatzberger.

© Wissenstransferzentrum Ost/ Female Founders
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Bewusstsein stärken, gemeinsam mehr erreichen

Der Report und das daraus entstandene CALL TO ACTION – Visionspaper sind ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, um den Anteil von Gründerinnen in wachstums- und technologieorientierten Unternehmen zu erhöhen und Frauen in ihrem Streben nach der Verwirklichung ihrer Ziele zu unterstützen. Lisa Fassl, Mitgründerin von Female Founders und CEO der aaia, zieht jedoch zu Recht das Fazit, dass nicht nur Female Founders alleine ein Bewusstsein und Umdenken in der Startup- Szene bzw. Öffentlichkeit schaffen und erzeugen kann, jede Organisation, jedes einzelne Unternehmen, egal ob Corporate oder Startup, muss einen Beitrag leisten, um Gründerinnen zu motivieren und zu unterstützen.

Wir sind auf jeden Fall gespannt, ob und in welcher Form Ideen und Vorschläge des CALL TO ACTION umgesetzt werden. Viele wichtige und sehr interessante Inputs wurden gegeben, es bleibt nur zu hoffen, dass nun auch Maßnahmen gesetzt werden und sich die Studie nicht, wie viele andere bereits vorher, nur als gutes Marketingmaterial ohne Mehrwert herausstellt.

Alle Ergebnisse des Austrian University Female Founders Report 2016 und den CALL TO ACTION von Female Founders findet ihr hier!