Interview mit Espressomobil

(c) Espressomobil

„Espressomobil“, das sind doch die Lastendreiräder, die uns an Italien und den letzten Sommerurlaub erinnern? Die Wagen von „Espressomobil“ fahren durch Wien, verkaufen an bestimmten Plätzen wirklich leckeren Coffee to go und verbreiten dabei einen ganz eigenen Charme. Dass hinter „Espressomobil“ ein langer Schaffensprozess und harte Arbeit stehen, lässt die Leichtigkeit, mit der die Kleinwagen durch die Stadt rollen, kaum vermuten. Peter Lindmoser arbeitet seit vier Jahren an „Espressomobil“ und was als Start-up begonnen hat, ist heute bereits ein gut laufendes Unternehmen.

Wie lässt sich in zwei Sätzen „Espressomobil“ erklären?

Espressomobil ist das erste mobile Coffee to go mit dem wir zu verschiedenen Stammplätzen hinfahren können. Sprich, wir kommen zu den Menschen und nicht umgekehrt.

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Wie ist die Idee zu „Espressomobil“ entstanden?

Die Idee ist 2011 entstanden, weil ich mit meinem anderen Unternehmen „Freshwater“ in Hamburg war und da einen Wagen am Hamburger Fischmarkt gesehen habe bei dem am meisten los war. Dieser mobile Stand hat die Leute wie ein Magnet angezogen, da konnten die fixen Stände nicht mithalten. Jeder weiß, dass es heutzutage immer wichtiger wird, neben der Qualität, die Leute auf einer emotionalen Ebene anzusprechen und das wurde in diesem Fall ideal umgesetzt. Ich fand das Konzept einfach super und hatte dann den Einfall, dass ich diese Idee mit „Freshwater“ kombiniere und so mein eigenes Quellwasser dafür verwende guten und vor allem qualitativ hochwertigen Kaffee überall verkaufen zu können.

War es immer schon dein Ziel selbstständig zu werden?

Ich bin 46 Jahre alt und seit meinem 24. Lebensjahr Unternehmer. Als ich mit 23 von meinem damaligen Job gekündigt worden bin, habe ich mir geschworen niemals wieder diese Demütigung erleben zu müssen. Daher wollte ich die Verantwortung selber in die Hand nehmen und habe angefangen mich selbstständig zu machen. Espressomobil ist nun schon die zehnte Firma, die ich gegründet habe.

Was hast du denn vor der Selbstständigkeit gearbeitet bzw. studiert?

Studiert habe ich nicht, sondern einen Handwerksberuf erlernt. Ich bin allgemein der Meinung, wenn jemand sich wirklich für etwas interessiert und einen Traum hat, dann schafft man es auch ohne großartige Ausbildung.

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Mit welchen Problemen musstest du dich in der Anfangsphase beim Gründen von „Espressomobil“ rumschlagen?

Ganz am Anfang gab es ein großes Problem. Ich hab bei der Wirtschaftskammer angerufen und ihnen gesagt, dass ich mit einem mobilen Fahrzeug Kaffee verkaufen möchte und wollte wissen was für gesetzliche Regelungen, etc. ich berücksichtigen muss um dieses Vorhaben zu verwirklichen. Die kurze Antwort darauf war, dass es verboten ist – aus. Bei meiner weiteren Bitte nach Unterstützung bei der Lösung dieses Problems, konnte die WKO mir nicht helfen und ich war auf mich allein gestellt. Ich bin die Gewerbeordnung Punkt für Punkt durchgegangen um ein Schlupfloch zu finden, habe dann aber schlussendlich einfach verbotenerweise mit Espressomobil begonnen. Sechs Monate später kam eine Anzeige. Die Anzeige habe ich bis ganz nach oben gerichtlich angefechtet und hatte am Ende dann Erfolg und Espressomobil hat Recht bekommen. In Österreich haben viele Leute viel zu großen Respekt vor Vorschriften und lassen sich dadurch viele unternehmerische Chancen entgehen, das kann sie ihren Traum kosten. Wenn jemand von etwas überzeugt ist, sollte diese Vision einfach umgesetzt und durchgezogen werden. Beim kleinsten Widerstand darf man nicht gleich aufgegeben. Das ist einer der Knackpunkte, wieso manche ihren Traum verwirklichen und dann Erfolg haben und andere schon daran scheitern, dass sie zu wenig Mut für ein Risiko haben.

Und wie hast du dich am Anfang finanziert? Woher hattest du dein Startkapital?

In meinem Fall war die Geldbeschaffung nicht so schwierig, da ich das benötigte Kapital für Espressomobil durch meine anderen Firmen aufbringen konnte. Allerdings muss ich dazu sagen, dass Espressomobil heuer seinen vierten Geburtstag feiert und dieses Jahr mit guter Voraussicht das erste Mal mit einem positiven Gewinn abschließen wird. Das heißt, drei Jahre musste „gratis“ gearbeitet und zusätzlich neues dringend benötigtes Geld aufgestellt werden. Das ist der nächste Knackpunkt für einen Jungunternehmer, der möglicherweise ein paar Jahre ohne Einkommen auskommen muss. Eine Hürde, die sicher viele abschreckt. Aber ganz gleich welche Firma ich gegründet habe, es hat immer mindestens drei, bei einer auch sechs Jahre gedauert bis ich wirklich einen Gewinn erwirtschaftet habe. In der Anfangszeit muss also immer hauptsächlich Geld aufgestellt und nachgeschossen werden. Das gilt jedoch natürlich nur für Unternehmen, die als Ziel haben, ein Produkt zu erfinden und zu verkaufen. Bei Unternehmen, die Dienstleistungen verkaufen ohne Personal, ist der ganze Prozess anders und nicht vergleichbar.

Hast du damals von Dritten Hilfe bekommen oder einen Mentor gehabt?

Nein, ich wollte aber auch keine Hilfe.

Wenn jemand von etwas überzeugt ist, sollte diese Vision einfach umgesetzt und durchgezogen werden.

Wer steht denn nun hinter Espressomobil?

Wir sind ein Team aus zwei Leuten. 51% gehört dabei meiner Holding und 49% gehört dem Moritz. Der Moritz ist Jungunternehmer und Espressomobil ist seine erste Selbstständigkeit.

Wie hat die Work-Life-Balance während der Gründung ausgeschaut? Und wie schaut sie im Vergleich dazu heute aus?

Am Anfang musste viel gearbeitet werden, ich hab wirklich viel Zeit in diese Idee gesteckt. Von Jahr zu Jahr wird es aber besser und es ergibt sich wieder mehr Zeit, die ich auch außerhalb der Arbeit verbringen und genießen kann. Um die Work-Life-Balance zu verbessern muss vor allem geschaut werden, dass die Strukturen innerhalb des Betriebes stimmen und die Abläufe reibungslos funktionieren. Je genauer die Abläufe eingehalten werden und je länger das Business besteht und erfolgreich ist, umso weniger Zeitaufwand wird benötigt.

Hat sich im Laufe der Jahre das Business Model von Espressomobil verändert?

Das Business Model hat sich laufend verändert. Die Vision nach dem perfekten Produkt ist zwar immer die gleiche, aber sie wird von zahlreichen Faktoren und Bereichen beeinflusst, so dass sich das Konzept laufend neu angepasst, strukturiert und verändert hat.

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Wo siehst du Espressomobil in den nächsten Jahren?

Espressomobil besteht aus zwei Bereichen. Es gibt den mobilen Part, der aus den bekannten Wagen besteht. Für Wien haben wir im Moment 11 Wägen und wir planen eventuell noch 3-4 der Flotte hinzuzufügen. Um aber auch nicht nur den mobilen Bereich abzudecken, haben wir den ersten Espressomobil-Shop in Grinzing eröffnet. Mit sechs Quadratmetern ist das der wahrscheinlich kleinste Coffeeshop der Welt. Im Mai haben wir zusätzlich noch einen Coffeeshop auf der Mariahilferstraße aufgemacht. Und in naher Zukunft planen wir noch weitere Shops zu eröffnen. Erklärtes Ziel ist es 1.000.000 Portionen Kaffee im Jahr zu verkaufen. Im Moment verkaufen wir ungefähr 500.000 Portionen pro Jahr.

Welchen Rat würdest du Jungunternehmern mitgeben, die eine Idee haben und ein Startup gründen wollen?

Durchhalten und nicht aufgeben nach zwei Jahren! Es dauert meistens fünf Jahre bis der Spaß richtig beginnt. Als junger Mensch kommen einem fünf Jahre sehr lange vor, werden die 5 Jahre aber auf das ganze Leben betrachtet, sind das vielleicht 8-10% der Gesamtarbeitsleistung eines Menschen. Daher sollte immer im Hinterkopf verankert sein, dass 8-10% der Gesamtarbeitsleistung investiert werden um sich seinen Traum zu erfüllen.