Interview mit delinski

(c) delinski

Mit Freunden einen lustigen Abend mit gutem Essen verbringen, seine bessere Hälfte zu einem romantischen Dinner einladen oder einfach nur schnell einen selbstgebastelten Geburtstagsgutschein für ein Essen verschenken und das alles mit 30% Rabatt auf die Gesamtrechnung delinski.at, die etwas andere Reservierungsseite, macht es möglich. Mit ihrem Konzept konnten sich die Jungs von delinski schnell eine breite Fangemeinde aufbauen und sich somit zu einem Vorzeigestartup hocharbeiten. Mitbegründer Lukas Zielinski erzählt im Interview über die Hürden und die Erfolge, die er beim Gründen von delinksi erlebt hat.

Was unterscheidet delinski von anderen Reservierungsseiten?

delinski ist eine Restplatzbörse für die besten Restaurants der Stadt. Die Konsumenten buchen über unsere Homepage einen Tisch um 5 Euro und bekommen dann zusätzlich 30% auf die Konsumation im Restaurant.

Wer hatte die Idee zu delinski?

In den USA hat es damals ein sehr ähnliches Konzept gegeben, das aber erst in der Anfangsphase stand. Mittlerweile gibt es dieses Unternehmen nicht mehr, ist von Groupon gekauft und eingestanzt worden. Ein Freund von mir hat das Konzept damals in den USA kennengelernt und da er wusste, dass ich mich sehr für Restaurants interessiere und in dem Bereich etwas anbieten wollte, hat er mir diese Idee zugespielt. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt zwar schon drei bis vier andere Ideen recht weit durchgesponnen, aber im Endeffekt nicht weiter verfolgt. Alle diese Ideen wurden dann von anderen Startups umgesetzt und sind heute teilweise auch sehr erfolgreich. Deshalb haben wir dann beschlossen, dass wir einfach die nächste Idee, die wir haben, umsetzten und so ist delinski entstanden.

Das heißt, du hattest schon sehr lange vor, dich selbstständig zu machen?

Ja, auf alle Fälle! Die einzige Frage, die sich mir gestellt hat war, ob man vorher etwas dafür lernen muss? Ich meine nicht nur Dinge, die man im Studium lernt, sondern auch in der Praxis. Bei meinen ersten zwei Jobs hat sich diese Frage letztlich mit ‚Nein‘ beantwortet. Ich hab festgestellt, das Einzige was wirklich zählt ist, dass man einmal beginnt. Also ja, ich wollte immer schon selbständig sein, es war nur noch die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt offen.

Und mit welchem Vorwissen gehst du in die Selbstständigkeit? Oder konkreter, was hast du denn studiert bzw. wo hast du deine praktischen Erfahrungen gemacht?

Seit ich sechzehn bin habe ich jeden Sommer mit irgendwelchen Internships verbracht. Ich studierte in Edinburgh Politik, Wirtschaft und Sozialgeschichte und machte dort auch meinen Master. Außer Internships hatte ich einen Job in London und einen in Österreich, die hätten unterschiedlicher nicht sein können. In London arbeitete ich in einer Internet-Firma und hier in Wien in einem Marktforschungsinstitut. Im Moment studiere ich berufsbegleitend an der Donau Uni Krems und mache dort noch einen MBA.

Was waren denn die größten Anfangshürden von delinski?

Das schwierigste war sicher einen Programmierer zu finden, den man nicht bezahlen muss, sondern der sich am Unternehmen beteiligt. Entweder wollen viele Programmierer keine Beteiligung oder sie sind bereits an einem Startup beteiligt. Letztendlich hatten wir Glück und haben dann doch einen besonders guten Programmierer gefunden, der nicht nur sehr sozialkompetent agiert, sondern auch wirtschaftlich die richtigen Schlüsse ziehen kann.

Wenn man in einem Team arbeitet, es muss immer eine klare Hierarchie geben. Es ist wichtig, dass jemand die letzte Entscheidungskraft trägt.

Wie hat sich das restliche Team gefunden?

Einer der Mitgründer ist ein alter Freund von mir. Ehrlich gesagt, war das einzig Mühsame unseren Programmierer zu finden, wie ich bereits gesagt habe. Wir haben damals über Jobbörsen, Uniforen, Freunde und Bekannte gesucht. Ehrlich gesagt, weiß ich aber nicht mehr, wo wir ihn letztlich aufgespürt haben.delinski11

Hattet ihr beim Gründen selbst organisatorische Probleme? Bzw. habt ihr euch externe Hilfe gesucht?

Businessplan haben wir anfangs keinen besonders Beeindruckenden geschrieben, er war viel zu optimistisch und auch nur ein Excel-sheet, da braucht man keine große Hilfe. Wir haben auch weder große Cashflow Statements, noch Prognosen Bilanzen gemacht, sondern eine ganz normale guv Rechnung in Excel. Meiner Meinung nach ist einen Businessplan zu schreiben sowieso komplettes Kaffeesud lesen, denn ich halte persönlich wenig von Prognosen und Businessplänen. Wir haben mit vielen Leuten über unser Konzept geredet, einige waren begeistert andere nicht. Im Endeffekt muss man jedoch einfach an sich selbst glauben.
Das Wichtigste war die Kooperation mit den Restaurants zu besprechen und abzuklären, ob ein Interesse besteht und wie diese Zusammenarbeit aussehen müsste. Denn wenn wir mal die Restaurants überzeugt haben, sind die Endkunden nicht mehr weit entfernt. Wer möchte nicht 30 % Nachlass in einem guten Restaurant.
Eine Hürde war dann noch die verschiedenen Verträge richtig aufzusetzen, den Gesellschaftsvertrag und noch schwieriger den Syndikatsvertrag, der uns alle für zwei Jahre gebunden hat. Das klingt hart, war aber sicher sinnvoll.

Und wie hat euer Finanzierungsplan ausgesehen?

Einen Business Angel zu finden bzw. seed funding ist in Österreich fast unmöglich. Denn man muss schon auf einem bestimmten Level sein, wenn du Unterstützung willst. Das heißt, du brauchst beispielsweise eine fertige Website, was ja schon sehr viel Zeit und Geld in Anspruch nimmt. Man bekommt weder von Investoren noch von der Bank einfach Geld nur für eine gute Idee. Was man jedoch positiv hervorheben muss ist, dass es in Österreich eine sehr gute Förderlandschaft gibt.
Eine Alternative am Anfang ist, sich an Freunde, Bekannte und Verwandte zu wenden, was aber eine emotionale Belastung sein kann, denn seine Liebsten will man am wenigsten enttäuschen.
Wir haben es letztendlich aus der eigenen Tasche bezahlt. Die GmbH Gründung, die uns €35000 gekostet hat, haben wir unter uns vier Gründern aufgeteilt. Je nachdem, wieviel wer bezahlt hat, haben wir die Anteile aufgeteilt. Und wir haben noch zwei Förderungen bekommen, die gemeinsam 85K ausgemacht haben, die eine war Impuls XS von der AWS und die andere war die Dienstleistungsförderung von der Wiener Wirtschaft Agentur. Wir waren wirklich sehr froh über die Förderungen aber der Antrag und der gesamte Prozess waren sehr mühsam. Eine Förderung zu beantragen ist ein massives Zeitinvestment, das sollte man auf jeden Fall ernst nehmen und einplanen.

Arbeitet ihr mittlerweile schon kostendeckend?

Ja, wir decken die Kosten. Ich stell mir nur die Frage, ab wann man wirklich davon sprechen kann kostendeckend zu wirtschaften. Wir haben relativ schnell viel Umsatz gemacht und haben uns aber selber in den ersten eineinhalb Jahren kein Gehalt ausgezahlt und dann sechs Monate lang €1000. Erst jetzt verdienen wir alle ein ordentliches Gehalt mit delinksi, trotzdem waren wir 2012 schon kostendeckend. Also wenn man es ganz streng sieht sind wir seit Jänner 2015 kostendeckend, zwei einviertel Jahre nach dem wir online gegangen sind.

Klingt nach zweieinhalb intensiven Jahren? Wie würdest du angesicht dessen deine work life balance beschreiben?

Das ist schwierig zu beantworten. Ich würde nicht sagen, dass man unbedingt 80 oder 120 Stunden arbeiten muss um etwas zu erreichen, aber man muss sicher viel Zeit investieren. Die größte Belastung ist sicher die psychische Komponente, weil du eine enorme Verantwortung mit dir herum trägst. Keiner will mit seinem Traum scheitern und wir sind alle um die Dreißig, also sind das einige der wichtigsten Jahre deines Lebens, die du hier verwendest. Man ist fertig mit der Ausbildung, hat bereits eine gewisse Lebenserfahrung und möchte auch etwas erreichen, bevor man beginnt eine Familie zu gründen. Das ist einfach ein enormer Druck, dem man ausgesetzt ist.
Jetzt, wo unser Unternehmen schon besser läuft, ist vieles einfacher und angenehmer geworden und man wird auch routinierter. Wir haben am Anfang so ca. 60-70 Stunden gearbeitet und das hat sich jetzt reduziert auf ca. 50-55 Stunden.

Und wie schauen momentan die Zukunftspläne für delinski aus?

Schwer zu sagen, wir sind jetzt dabei venture capital zu suchen. Also suchen, finden und dann ein Angebot auszuarbeiten, das alle akzeptieren, miteingeschlossen der Investor, den wir seit Anfang 2014 beteiligt haben. Wenn alles gut geht, wird viel zusätzliches Geld in unser Unternehmen fließen und dann können wir expandieren. Irgendwann kommt dann entweder der Verkauf oder es läuft so gut, dass wir nicht verkaufen wollen, sondern delinksi selber weiterführen. Das hängt von vielen Komponenten ab, aber wenn wir wirklich weiter erfolgreich sind, dann wäre der nächste Schritt, die Vormachtstellung in Österreich einzuzementieren. Zur Weiterentwicklung des Produktes oder zur Expansion in andere Märkte braucht es nur ein oder zwei Personen mehr, um delinski in einem anderen Land oder einer anderen Stadt zu betreiben.

Und unsere Klassikerfrage: Welchen Tipp habt ihr, gemäß eurer Erfahrung, für Startups in ihrer Anfangsphase?

Mein Tipp wäre, dass, wenn man eine Idee hat, man nicht lange um den heißen Brei herumredet. Man sollte sich hinsetzen, die Idee aufschlüsseln, eine Förderung beantragen und wenn man die bekommt, ist es überhaupt keine Frage mehr ob man weitermacht oder nicht.
Und auch wenn man in einem Team arbeitet, es muss immer eine klare Hierarchie geben. Es ist wichtig, dass jemand die letzte Entscheidungskraft trägt.

Und als letzten Tipp: Durchhalten!