Das war die MIT Europe Conference 2017

Karl Koster vom MIT Office of Corporate Relations, Staatssekretär Harald Mahrer und WKÖ Präsident Christoph Leitl (v.l.n.r.) (c) WKO/Christian Dusek

Mehr als 450 Teilnehmer bekamen bei der MIT Europe Conference 2017 in Wien Einblick in die aktuelle Forschungsarbeit von US-Spitzenforschern. Neue Technologien, Zukunftstrends und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft, die Gesellschaft und internationale Zusammenarbeit standen dabei im Fokus

Bei der sechsten MIT Europe Conference der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA in der Wirtschaftskammer Österreich skizzierten Forscher des US-Think-Tanks Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Wien neue Trends – eine Zukunft mit autonomen Mini-Satelliten, 3D-druckfähigen Materialien, Sensortechnik für die industrielle Fertigung, neuen Perspektiven für Städteplanung im Zeitalter des Internet of Things und interaktiven Technologien, die bei Konsumenten positive Emotionen hervorrufen können.
Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer, betonte die Wichtigkeit der MIT Europe Conference für Österreich als Wirtschaftsstandort, denn „wir dürfen nicht nachhinken, wir müssen eine Vorreiterrolle bei Forschung und Innovation einnehmen – etwa bei den Herausforderungen des Klimawandels oder beim Thema Digitalisierung. Das geht aber nur, wenn Unternehmen und Forschung an einem Strang ziehen“. In seiner Rede unterstrich Leitl die Bedeutung der wechselseitigen Zusammenarbeit zwischen dem MIT, der Wirtschaftskammer und österreichischen Betrieben.

So ist der Konsument von morgen

Verbraucherbeziehungen befinden sich in einem radikalen Wandel. Die Millenials, die neue Generation der Digital Natives, erleben eine neuartige Verbrauchererfahrung. Von Medien über Online-Banking bis hin zu Reise- und Verkehrsdienstleistungen: Consumer-Chanels in allen Bereichen verändern sich. Der Sozialforscher Federico Casalegno vom MIT Mobile Experience Lab referierte über „Millenials und personalisierte Verbrauchererfahrungen“. Der Daten- und Informationsaustausch zwischen Verkäufern und Konsumenten müsse laut dem Soziologen stärker personalisiert werden, um für Digital Natives ein befriedigendes Kundenerlebnis zu schaffen: „Millenials benötigen interaktive Technologien, die bei ihnen positive Emotionen hervorrufen, eine Geschichte erzählen und ihnen das Gefühl geben, einzigartig zu sein“, so Casalegno. Er erklärte auch, dass die Bedeutung von Eigentum für Millenials nur mehr eine untergeordnete Rolle spiele. Vielmehr stehe der flexible Zugang zu Dienstleistungen wie etwa Airbnb oder Uber, zu Medien wie Netflix oder Spotify, aber auch zu Wissen beispielsweise über Wikipedia für sie im Vordergrund. „In diesem Zusammenhang ist es interessant, wie in Zukunft das Thema Datenschutz behandelt wird“, sagte Casalegno.
Federico Casalegno vom MIT Mobile Experience Lab (c) WKO/Christian Dusek

3D-Druck revolutioniert Prototypen

John Hart vom MIT Department of Mechanical Engeneering beschrieb eindrucksvoll, wie Automation, hochentwickelte Rechner und globale Anbindung zu einer Reihe neuer Produkte führen werden: Laut Hart spielen „3D-Drucker eine immer wichtigere Rolle für Unternehmen. Flexible, fast unsichtbare Elektronik, etwa in Handydisplays oder personalisierte Alltagsgegenstände wie Schuhsohlen können in Zukunft zu einem Bruchteil der aktuellen Kosten mit einem 3D-Drucker produziert werden“. Mit neuen High-Speed-3D-Druckern können neue Produkte in wenigen Minuten hergestellt werden.
John Hart vom MIT Department of Mechanical Engeneering (c) WKO/Christian Dusek

Mini-Satelliten: Lückenlose Überwachung

Kerri Cahoy, Forscherin am Department of Aeronautics and Astronautics, stellte in ihrem Vortrag die Frage „Was wäre, wenn wir zu jeder Zeit, an jedem Ort sein könnten?“ Schuhschachtelgroße Mini-Satelliten wären ihrer Meinung nach eine Entwicklung in diese Richtung: Damit könnte das Wachstum von Pflanzen genauso in Echtzeit verfolgt werden wie der Produkttransport oder andere Prozesse. Mit ihrer Hilfe können laut der Forscherin Naturkatastrophen wie etwa das Aufkommen von Wirbelstürmen vorhergesagt werden oder das Ausweiten der Wüsten verfolgt werden. Auch Verkehr, Wetter, Schiffsverkehr oder militärische Einrichtungen könnten mit solchen Satellitennetzwerken überwacht werden. Cahoy: „Nano-Satelliten werden das Leben, wie wir es kennen, verändern, weil sie extrem klein und leicht sind.“
Kerri Cahoy vom Department of Aeronautics and Astronautics (c) WKO/Christian Dusek

Städteplanung 4.0

Der Architekt Carlo Ratti vom MIT Department of Urban Studies and Planning erklärte anschaulich, wie das Internet of Things (IoT) Einzug in den öffentlichen Raum hält und Vorgänge wie Energie- und Wasserversorgung sowie Müllentsorgung steuert. Digitale Informationen, die mittels Sensoren erhoben werden, helfen bei der Ressourcenplanung und -optimierung der Metropolen der Zukunft. Rattis Beispiele dafür sind „Carsharing“ oder „Localwarming“: In Wien würde ein Viertel aller vorhandenen Autos ausreichen, damit alle Bewohner ihre Mobilitätsbedürfnisse befriedigen können. Ein großer Teil der Energie könnte auch durch gezieltes Beheizen der Räume, in denen sich Menschen aufhalten, eingespart werden. Laut Ratti stehen wir in der Städteplanung „am Beginn eines Paradigmenwechsels. Es gibt noch so viel zu erfinden – vor allem im sich so schnell entwickelnden IoT-Bereich“. „Großes Potenzial sehe ich aber nicht nur in der Verbindung der digitalen und physischen Welt, sondern auch in der Einbeziehung der biologischen Wirklichkeit“, sagte Ratti: „Das wird die nächste Herausforderung sein, der wir uns stellen werden.“
Carlo Ratti vom MIT Department of Urban Studies and Planning (c) WKO/Christian Dusek

An die Wand gezwitschert

Zu den Präsentationen über digitale Zwillinge, autonomes (Unter-)Wasserfahren und künstliche Intelligenz wurden mehr als 200 Tweets mit dem Hashtag #MITVienna17 im Livestream auf der Twitter Wall reproduziert. Konferenzteilnehmer und Medien informierten ihre Follower nahezu in Echtzeit über die spannenden Inhalte. Gleichzeitig ermöglichte die Twitter Wall den Besuchern während der Vorträge über die vorgestellten Produkt- und Prozessinnovationen zu diskutieren. Während der Vorträge konnten die Teilnehmer ihre Fragen via App stellen. Mittels Live-Voting wurden die interessantesten Fragen ermittelt und von den Speakern beantwortet.

Interaktive Workshops

Den interaktiven Schlusspunkt der zweitätigen Konferenz bildeten die Workshops mit einigen Referenten des MIT. Hier konnten sich Konferenzteilnehmer mit den Forschern des MIT face-to-face auszutauschen. Die Besucher der Workshops zeigten sich begeistert: „Der Innovationsworkshop hat es uns ermöglicht, mit den Spitzenforschern in Dialog zu treten, auf Augenhöhe zu kommunizieren und den dichten Informationsfluss der Konferenz zu verarbeiten“, sagte eine Teilnehmerin in ihrem Resümee über die MIT Europe Conference.
Die zweitätige Konferenz fand im Rahmen der Exportoffensive „Go-International“ statt, einer Förderinitiative des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft und der Wirtschaftskammer Österreich.
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