Interview mit Carsharing24/7

(c) Carsharing 24/7

„In einer Großstadt braucht man doch kein Auto.“ – wer hat den Satz noch nicht gehört? Sicher, Graz hat ein wirklich super ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz, aber es gibt sie dann doch, die Augenblicke, wo man dann doch gerne einen fahrbaren Untersatz auf vier Rädern hätte.

Der Trend, Dinge zu recyclen, zu teilen und zu tauschen, ist in den letzten Jahren nicht nur gestiegen, er hat auch viele neue Formen angenommen. Egal, ob es sich um Nahrungsmittel, Kleidung oder eben das eigene Auto geht. Warum nicht Kosten sparen und gleichzeitig umweltschonend handeln.

Ruth Juric von carsharing24/7 erzählt uns, wie sich aus einer Fahrgemeinschaft unter Freunden ein professionelles Unternehmen entwickelt hat, dessen Ziel es ist, es jedem zu ermöglichen simpel, günstig und auch ökologisch nachhaltig mobil unterwegs zu sein.

Carsharing24/7, könnt ihr uns das in zwei Sätzen erklären?

Kurz zusammengefasst ist carsharing24/7 eine Internetplattform für Privatpersonen, die ein Auto haben, es aber nicht ständig nützen. Bei uns können sie als Autobesitzer den Kraftwagen Personen anbieten, die kein Auto besitzen.

Wie seid ihr auf die Idee zu diesem Konzept gekommen?

Unser Geschäftsführer ist damals von Graz nach Wien gezogen, hat ein Auto besessen, aber es hat ihn ziemlich gestört, dass er in seinem Bezirk nie einen Parkplatz bekommen hat. Zusätzlich dazu kommen die hohen Kosten. Daher wollte er dann irgendwann sein Auto verkaufen. Zur selben Zeit wollte auch ein Freund von ihm sein Auto verkaufen. Zu dem Zeitpunkt entstand die Idee, warum sie nicht einfach ein Auto gemeinsam nutzen und ob das nicht auch für andere Personen interessant wäre, die vor demselben Dilemma stehen. Und so ist unsere Plattform entstanden.

Wie hat dein Leben vor carsharing24/7 ausgesehen, was hast du davor gemacht?

Eigentlich bin ich ausgebildete biochemische Analytikerin und habe in Graz gearbeitet, mein Bruder hat dann dieses Startup gegründet und seit 2011 arbeiten wir gemeinsam.

Das heißt, ihr wart ja schon mal zu zweit. Wie schaut euer restliches Team aus?

Robert Reithofer ist Geschäftsführer, ich kümmere mich um die Buchhaltung und PR. Dann haben wir noch eine Grafikerin, die ich während meiner Ausbildung kennengelernt und an Bord geholt habe. Und dann haben wir noch die Wiener, die haben bereits in Linz zusammen in einer Firma gearbeitet. Also haben wir uns eigentlich auch schon gekannt und sind zu einem super Team zusammen gewachsen.

Wenn möglich auf professionelle Hilfe bauen. Einfach Leute ansprechen, die sich auskennen, die selbst erfolgreich in der Startup Szene sind. Oft geht man einfach zu blauäugig an das Projekt ran und unterschätzt das Ganze.

Was war deiner Meinung nach die größte Hürde beim Gründen?

Die größte Hürde war auf jeden Fall eine Versicherung zu finden, die mit uns an Bord geht. Immerhin ist das Produkt komplett neu und anfangs wollte sich halt keine Versicherung darum kümmern beziehungsweise diesen ersten neuen Schritt wagen-

Ein weiteres Problem stellte die Frage der Finanzierung dar. Wir haben gehofft, dass wir eine Förderung bekommen, haben wir aber eigentlich nicht wirklich und haben uns dann zum Großteil selbst finanziert.

Ihr habt euch mit der Gründung auf unbekanntes Terrain gewagt, habt ihr zur Unterstützung professionelle Hilfe von Dritten gesucht?

Bei der Gestaltung von dem Businessplan haben wir uns Hilfe genommen und haben ihn in Auftrag gegeben. Aber sonst haben wir sicher 90% der Arbeit selber gemacht! Learning by doing!

Wie schaut es mit den Zahlen aus? Könnt ihr bereits kostendeckend wirtschaften?

Im Moment ist die Plattform noch kostenlos, weil wir derzeit einfach nicht die Ressourcen haben ein Kostenmodell einzuführen, aber das wird sicher einer der nächsten Schritte sein. Es geht uns in erster Linie darum, dass sich die Plattform einmal selbst erhält, sprich Serverkosten etc. abgedeckt sind. Seit April 2014 sind wir zwar eine GesmbH, aber kostendeckend arbeiten wir noch nicht. Aber das ist in den ersten Jahren immer schwierig, wir sind und bleiben optimistisch!

Wie schaut denn die Zukunft für carsharing24/7 aus? Wo seht ihr euch in den nächsten 5 Jahren?

Wir wollen auf jeden Fall schwarze Zahlen schreiben. Mögliche Schritte zum Ausbau von carsharing24/7 wären Carsharing für Gemeinden und Wohnanlagen einzuführen, aber auch für Corporates, also die Betreuung der Firmenflotten.

Der Trend schaut derzeit so aus, dass der Umsatz deutlich steigt und das freut uns natürlich. Unser Wunsch und Ziel ist es auch mehr Personal aufzunehmen, Arbeitsplätze zu schaffen und unsere Arbeitszeiten auf ein menschliches Niveau zu reduzieren. Zurzeit ist alles sehr eng kalkuliert, da wäre es schön ein paar mehr Freiräume zu kreieren.

Du hast es ja gerade erwähnt, ein Startup gründen, bedeutet vor allem Zeit zu investieren. Wie sieht die Work-Life-Balance aus?

Im Moment sicher mehr work als life! Mein Bruder arbeitet bestimmt um die einhundert Stunden in der Woche. Und ich sehe es auch bei mir selbst, dass wirklich sehr viel Zeit hineinfließt. Man denkt es wird einfacher und weniger, aber dann kommen immer wieder neue Hürden und Wendungen und man muss wieder viel Zeit investieren um diese zu lösen. Aber ich denke, das gehört dazu.

Last but not least – Tipps, die du anderen Startup-GründerInnen mit auf den Weg gegeben möchtest, weil du sie vielleicht selbst gern bekommen hättest?

Wenn möglich auf professionelle Hilfe bauen. Einfach Leute ansprechen, die sich auskennen, die selbst erfolgreich in der Startup Szene sind. Oft geht man einfach zu blauäugig an das Projekt ran und unterschätzt das Ganze.

Ganz wichtig ist eine gescheite Finanzplanung und meiner Meinung nach auch einen Plan B. Und als letzter Tipp, man sollte auch sein Team sehr sorgfältig auswählen. Man braucht Leute, die dieselben Ansichten vertreten und hinter der Idee stehen.

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