5 Fehler, wenn europäische Startups vor US VCs pitchen

Matthew McCooe, CEO of Connecticut Innovations | © Connecticut Innovations

Die 5 häufigsten Fehler, wenn europäischer Startups vor US VCs pitchen

Mein Name ist Matt McCooe, ich bin der CEO des US Venture Capital Fond Connecticut Innovations, und kann nach über zehn Jahren im Geschäft bereits aus einem ziemlichen großen Nähkästchen plaudern und auf einen noch größeren Erfahrungsschatz zurückgreifen. Connecticut Innovations ist nicht nur am US- amerikanischen Markt aktiv, sondern richtet seinen Blick auch verstärkt nach Europa, um in vielsprechende europäische Startups zu investieren.

Dass die (Unternehmer-) Kultur sich im Kern in Europa und den USA stark unterscheiden ist mir bewusst, aber mir fallen auch immer öfters kulturelle Unterschiede auf, wenn ich mir allein die Pitches europäischer Startups anschaue. Daraus schließend, habe ich die, meiner Meinung nach, fünf häufigsten Fehler europäischer Startups zusammengefasst, wenn sie vor US Venture Capitals pitchen.

  1. Skype ist nicht genug

Die Antwort auf die Frage, die ich immer wieder zuerst gestellt bekomme: Ja, wir wollen Euch, das Team und eure Technologie sehen, bevor wir investieren.

Natürlich ist es OK, dass man sich mal per Telefon oder Skype für einen ersten Call abklopft, um zu sehen, ob die Chemie und der erste Eindruck passt, aber danach erwarten US Investoren, dass man sich persönlich trifft. Es sind im Prinzip dieselben Anforderungen, die ein Berliner VC stellt, nur dass ihr zu uns sechs Stunden weiter fliegen müsst.

  1. Ihr fragt für zu wenig Geld

Der größte Unterschied zu US Startups ist, dass europäische Gründer oft in kleineren Dimensionen denken und daher um viel weniger Geld anfragen. Diese Sicht der Dinge passt aber nicht zu uns US- Investoren, da wir gerne globale Visionen sehen wollen. Wenn man sich ansieht, dass die durchschnittliche Investment Summe bei einer Series-A in Europa bei $3.75M liegt und in den USA bei $5M, kann man auf die Idee kommen, dass amerikanische Investoren einfach generöser sind, aber der wahre Grund ist, dass US Startups einfach mehr Geld fordern, weil sie größere Milestones anpeilen.

  1. Ihr wollt nicht in den US Markt

Oft kommt es vor, dass der europäische Gründer zwar US Gelder will, aber letztlich nicht vor hat den US-Markt direkt anzugreifen. Jetzt ist es nicht so, dass wir uns dadurch persönlich angegriffen fühlen, wenn ihr nicht zu uns in die Nachbarschaft ziehen wollt, sondern es stellt sich uns eher die Frage, warum du dann gerade bei uns vor der Tür stehst?

Unser Netzwerk und unsere Kontakte in der Industrie und zu Investoren sind hier in Amerika und der US-Markt ist riesig. Uns stellt sich somit die Frage, wie können wir eurer Startup aktiv im Wachstum unterstützen, wenn ihr in Belgien oder Italien bleibt?

  1. Ihr habt null Heimatgelder eingesammelt

Die unausgesprochene Frage, die sich hier stellt ist, warum gibt es in eurem Heimatmarkt keine Finanzierung für euch? Wenn ein Startup vor US-Investoren pitcht und kein einziger Euro aus dem Heimatmarkt investiert wurde, wird man als Investor erstmals etwas stutzig. Sollte es jedoch gute Gründe geben, warum ein US-Investor eurer Meinung nach besser geeignet ist zur Umsetzung eurer Idee, dann sagt uns das direkt. Es kann ja beispielsweise gut sein, dass ihr eine global Web-Plattform baut, eure User und Kunden aus aller Welt kommen und ihr schon zwei Term-Sheets hattet von hiesigen VCs, die aber eure Bewertung um 50% runterdrücken wollen… das hört sich doch schon viel attraktiver an für meine amerikanischen Ohren.

  1. Eure Pitch Decks sind um 10 Seiten zu lang

Ich komme gerade von einem Europa-Trip in Deutschland, UK und Spanien zurück und bin von der Energie und dem Erfindertum europäischer Startups beeindruckt. Wenn ich jedoch eure Mails mit den Pitch Decks sehe, wünsche ich mir jedes Mal diese Decks wären um zehn Seiten kürzer. Ich weiß, ihr wollt gerne alles auf einmal sagen, ihr seid technisch brillant und somit ist jedes Detail wichtig, aber bitte kürzt eure Pitches um die Hälfte. Connecticut Innovations hat daher einen Online-Bewerbungsprozess für unsere globale $5M Investment Challenge, VentureClash, entwickelt, der die wichtigsten Infos von internationalen Startups zusammenfasst und wir euch so dabei helfen eure Pitches kurz und prägnant darzustellen.

Ich hoffe diese Tipps sind für europäische Startups nützlich, denn ich würde mich sehr freuen, wenn noch mehr Startups aus Österreich, Deutschland und der Schweiz nach Amerika kommen und wir gemeinsam den US Markt erobern.